Keine Killerspiele = keine Amokläufe

Die meisten von euch haben inzwischen bestimmt mitbekommen, dass die letzten beiden Tage die Innenministerkonferenz in Bremen und Bremerhaven stattgefunden hat. Dort wurde dann ausgewürfelt, welchem Übeltäter diesmal die Verantwortung für alles Schlechte dieser Welt zugeschoben wird.

Das Los fiel diesmal nicht nur auf den allseits beliebten Terrorismus, sondern auf den Sonderjoker Killerspiele. Da Killerspiele voll böse sind und junge Menschen zu Amokläufern machen, sehen unsere geliebten Vaterlandsbeschützer nur eine Möglichkeit:

“Ein möglichst schnelles Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist.”

Großartig.

Ich habe mich mal über das Durchschnittsalter von Amokläufern an Schulen schlau gemacht – es lag 2004 bei 15,6 Jahren (Robertz, unter anderem zitiert von Wikipedia und dem LKA NRW). Es wäre mir neu, wenn man mit knapp 16 Jahren schon “Killerspiele” spielen dürfte. Schnaps darf man auch erst ab 18 trinken und niemand käme auf die Idee, Alkohol zu verbieten – noch nicht, auf dem Weg, mündigen Bürgern vorzuschreiben, wie sie leben sollen, werden wir mit Sicherheit auch an dieser Station noch halt machen.

Ich persönlich spiele keine Killerspiele. Bei Counterstrike virtuell Menschen zu erschießen gibt mir persönlich gar nichts. Ich bin auch dagegen, dass 13-jährige solche Spiele spielen – dafür haben wir ja die USK. Aber erwachsenen Menschen vorzuschreiben, welchen Hobbys sie nachgehen dürfen, ist die größte Frechheit, der mir jemals untergekommen ist. Andere Menschen schießen mit echten Waffen in Schützenvereinen und gehen auf die Jagd und erschießen nur zum Spaß Tiere, aber das Schießen auf Computerpixel soll gefährlich sein? “Killerspiele”, das klingt ja unglaublich böse, aber man schadet damit niemanden – und zum Thema Amokläufe verweise ich noch einmal auf diesen mutigen Leserbrief eines Beinahe-Amokläufers, den ich schon einmal verlinkt habe.

Aber mir ist schon klar, wir haben ja Wahljahr, da macht sich populistischer Mist einfach besser als die ernsthafte Suche nach Lösungen. Und die Gleichung “Keine Killerspiele = keine Amokläufe” sieht schon sehr hübsch aus, da macht man es sich doch gerne leicht.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Der Lawblog bringt es auf den Punkt!

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