Rücktritt-Rücktritt

Nachdem in den letzten Wochen eine Rücktrittswelle Deutschland erfasst hatte, rollt nun der nächste Trend auf uns zu: Das Den-Rücktritt-wieder-zurücknehmen-wollen!

Nachdem er möglicherweise Gelder veruntreut, Kinder verprügelt ein paar kleine Ohrfeigen gegeben hat und sogar Missbrauchsvorwürfe gegen ihn laut wurden, hat er schließlich den Papst gebeten, ihn aus dem Bischofsamt zu entlassen. Wir alle haben uns gefreut, dass wir unseren besten Freund endlich in den Ruhestand entlassen konnten – doch zu früh gefreut. Erst schleicht sich Mixa wieder in den Bischofspalais, jetzt will er sogar wieder mindestens Pfarrer sein. Der Arme wurde ja so unter Druck gesetzt! Angeblich hat er ja nicht mal das Rücktrittsgesuch selbst geschrieben, seine Kollegen haben ihn reingelegt und die Welt ist unfair, obwohl er natürlich alles richtig gemacht hat. Jetzt will Mixa sogar beim Papst vorsprechen. Mal sehen, wie das Drama weitergeht…

Ich persönlich hoffe wirklich, dass andere Mixas Beispiel folgen. Man stelle sich nur vor, wie Köhler kurz vor der Bundespräsidentenwahl sagt, er wolle doch wieder Präsident sein. Wäre das ein schönes Theater…

Bombenstimmung auf dem Oktoberfest – oder: Wie einmal überhaupt gar nichts geschah

Es fing ja schon nicht sonderlich gut an: Auf einmal durften keine nackten Brüste und Betrunkenen mehr fotografiert werden (Oh nein! Welch Verlust für die deutsche Kulturlandschaft!) und schon vor dem Beginn des Oktoberfestes schwebte die Grippe des Todes (auch Schweinegrippe genannt) wie ein Damoklesschwert über den potentiellen Besuchern: Wächst mir bei Busseln eine Schweinenase? Wenn im Zelt jemand hustet, werden wir dann alle sterben? Doch das sollte nach nur kurzer Zeit die geringste Sorge der Wiesn-Besucher sein – die Rede ist natürlich vom Auftritt des bösen Islamisten™ ! Doch von Anfang an…

Am 19. September hieß es zum 176. Mal: O’zapft is. Die Münchner Polizei ist laut eigener Aussage gut gerüstet für die Wiesn. Doch da hat ja noch niemand mit dem bösen Islamisten™ gerechnet. Und der stand schon in den Startlöchern: Ein plötzlich aufgetauchtes Terrorvideo versetzt die Polizei in höchste Panik Unruhe, die USA warnt sogar vor Reisen nach Deutschland. Konkrete Anschlagsziele seien jedoch nicht bekannt – puh, da bin ich ja beruhigt.

Die Angst vor dem bösen Islamisten™ zeigt schon bald Wirkung: Ein tieffliegendes Werbeflugzeug von Red Bull wird plötzlich zum potentiellen Bombenwerfer. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – von nun an herrscht Flugverbot über der Wiesn.
Nachdem die Gefahr des fliegenden Bombenwerfer gebannt war, bestand natürlich noch eine weitere Gefahr: Bomben auf Rädern! Also entschied man sich, besser den Verkehr „umzuleiten“ – sprich: einfach alles abzusperren und darauf zu hoffen, dass man den gewaltigen Stau rund um die Theresienwiese als Bombenabwehrgürtel nützen könnte.
Für besonders gute Stimmung sorgten von nun an auch die Einlasskontrollen am Haupteingang.

Für zwei Münchner hielt die Oktoberfestzeit noch eine besondere Überraschung bereit: Sie wurden einfach mal so festgenommen präventiv in Gewahrsam genommen, da sie potentielle böse Islamisten™ waren. Aber das ist mit Sicherheit nicht so schlimm, wie es sich anhört: Das körperliche Wohlbefinden in einer Zelle dürfte um einiges höher sein als beim Zünden eines Bombengürtels – man kann also davon ausgehen, dass die beiden Männer zu ihrem eigenen Vorteil verhaftet wurden.

In meinem persönlichen Umfeld kursieren inzwischen auch schon die ersten Erfahrungsberichte: Freunde haben von ihren Bekannten, die jemanden kennen, der jemanden bei der Polizei kennt, gehört, dass die da alle ganz fest von einem Anschlag des bösen Islamisten™ ausgehen. Bedrohlich! Noch hält sich meine Angst in Grenzen, doch so langsam wird auch mir mulmig. Wenn alle sagen, dass jemand gesagt hat, dass was passiert, dann muss da doch irgendwas dran sein!

Schließlich ruft auch meine Mutter an und fleht mich geradezu an, nicht auf die Wiesn zu gehen – auch sie hat gehört, dass jemand gehört hat… Ich fühle mich plötzlich ganz furchtbar bedroht: Was ist, wenn ich aufs Oktoberfest gehe und da steht plötzlich der böse Islamist™ vor mir? Ich bin kurz davor, ihr zu schwören, mich in den nächsten zehn Jahren niemals und unter gar keinen Umständen auch nur auf 50 km der Theresienwiese zu nähern, auch wenn ich dafür meine Wohnung aufgeben müsste und wahrscheinlich auch sämtliche meiner Freunde – doch dann fällt mir ein, dass ich am nächsten Tag auf der Wiesn verabredet bin. Ich verspreche ihr zumindest, nicht am Wochenende hinzugehen.

Inzwischen erzählt mir eine Freundin, der Hauptbahnhof sei teilweise abgesperrt worden und sie hätte einer Leibesvisitation gerade noch entkommen können. Natürlich, nachdem dem bösen Islamisten™ sowohl der Luftweg als auch die Straßen versperrt wurden, muss er nun mit dem Zug anreisen – so ein Terroristenleben ist eben nicht immer leicht, auch wenn man am Ende ein paar Jungfrauen bekommt.

Die Terrorgerüchteküche schwappte langsam über: Eine Frau soll den Geldbeutel eines Arabers gefunden haben und dann von ihm gewarnt worden sein, mehrere Bomben seien bereits auf der Wiesn gefunden worden sein, aber die Polizei hätte alles vertuscht und natürlich machten auch mehrere Kettenmails die Runde. Die Polizei sperrte währenddessen eine U-Bahn-Station, nachdem ein Tunesier dort sein Gepäck vergessen hatte.

Schließlich kam er, der Tag der Deutschen Einheit – der Tag X, an dem die bösen Islamisten™ mit Sicherheit allein schon aufgrund der Symbolträchtigkeit ihre Bomben hochgehen lassen würden. Ich begab mich vorsichtshalber nach Augsburg, um auch ja nicht erwischt zu werden. Die gesperrte Zone rund um das Oktoberfest wurde inzwischen schon fast auf die gesamte Innenstadt ausgedehnt, schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten auf dem gesamten Gelände, hinter jedem Zelt und jedem Fahrgeschäft konnte er lauern, der Terrorist, und dann…

… passierte einfach gar nichts. Vor einigen Stunden ging die Wiesn schließlich zu Ende, völlig bomben- und terroristenfrei. Die einzigen Geschädigten waren die Bierleichen und die Wirte, deren Gäste verständlicherweise irgendwann keine Lust mehr hatten. Aber das lag natürlich an den Sicherheitsmaßnahmen – das sagt auch der Schäuble immer und der muss es ja wissen.

Mr. Gaga und seine Zensurfantasien

Wow, das kommt jetzt wirklich absolut und hundertprozentig überraschend:

Gaga-Tralafitti-Wiefelspütz, Volksmoralbeschützer Nummer eins, hat der Berliner Zeitung ein Interview gegeben.

“Natürlich werden wir mittel- und längerfristig auch über andere kriminelle Vorgänge reden”, sagte Wiefelspütz der “Berliner Zeitung” (Samstagsausgabe). “Es kann doch nicht sein, dass es im Internet eine Welt ohne Recht und Gesetz gibt.” Er könne sich vorstellen, auch Seiten mit verfassungsfeindlichen oder islamistischen Inhalten zu blocken, sagte der SPD-Politiker: “Eine Zeitung darf ja auch keinen Mordaufruf veröffentlichen.”

Yeah, hebt die Gläser, liebe Freunde der Zensur, und stoßt an auf ein sauberes Internet, ohne Islamisten, Pornographen und Regierungskritiker. Unser lieber Beschützer Wiefelspütz hat endlich diesen mutigen Vorstoß gewagt, der unser aller Leben mit Sicherheit verbessern wird, der wer wird schon gerne von Islamisten und bösen Bombenbauern im Internet angefixt? Wir brauchen ein gefiltertes, reines Internet, ohne Kriminelle und andere störende Subjekte und abweichendes Verhalten!

Und noch ein kleiner Nachtrag: Wifis CDU-Kollegen, mit Sicherheit Freunde im Geiste, sind gar nicht begeistert von dessen Aussagen:

“Ich halte es für richtig, sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornografie zu befassen, damit die öffentliche Debatte nicht in eine Schieflage gerät”, sagte Unionsfraktionsvize Wolfgang Bosbach (CDU) der “Berliner Zeitung”. Sein Fraktionskollege Laurenz Meyer (CDU) betonte: “Es geht uns ausschließlich um Kinderpornografie.”

Die Aussage vom Bosbach muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen: Man sollte sich erstmal nur mit dem Thema Kinderpornographie befassen. Sonst könnte die Öffentlichkeit ja merken, was für ein Spiel hier gespielt wird – klar, dann könnte die öffentliche Debatte in der Tat in eine Schieflage geraten. Gegen Kinderpornographie ist schließlich fast jeder, bei anderen “kriminellen” Inhalten muss man schon aufpassen, darüber redet man lieber erst dann, wenn sich die Menschen schon an die vorhandenen Sperren gewöhnt sind – “Was meckert ihr denn? Mit den Kinderpornos funktioniert das doch auch super! Und die Infrastruktur haben wir auch schon, das geht ganz schnell, das werdet ihr überhaupt nicht merken!”
Ziemlich entlarvend, diese Aussage…

Missionierung – nein, danke!

Da hätte sicher auch das liebe Urselchen nichts dagegen: Unser geliebter Oberpapa Ratzi fordert junge Katholiken dazu auf, im Internet zu missionieren. O-Ton:

“Euch jungen Menschen, die ihr euch fast spontan im Einklang mit diesen neuen Mitteln der Kommunikation befindet, kommt in besonderer Weise die Aufgabe der Evangelisierung dieses ‘digitalen Kontinents’ zu. Seid bereit, euch mit Begeisterung die Verkündigung des Evangeliums bei euren Altergenossen zur Aufgabe zu machen!”

Oh yeah, na klar, bevölkert die Chatrooms dieser Welt und gebt die frohe Botschaft weiter. Aber verbreitet bloß keine Pornos, das ist nämlich eine Herabsetzung der Schönheit und Intimität der menschlichen Sexualität.

Liegt das an mir oder ist diese Forderung, das Internet zu missionieren, tatsächlich ein bisschen pervers? Evangelisierung des digitalen Kontinents? Mir ist schon klar, dass Papst Benny von der Vorstellung eines bibeltreuen Internets voller jubelnder gottesfürchtiger Christen feuchte Träume bekommt, aber ich erzähle meine Fantasien auch nicht überall herum. Ich hab keine Lust auf die Zeugen Jehovas vor meiner Tür und ich habe auch keine Lust auf Fundiemissionierungskommentare in meinem Blog.

Spinnen wir diesen Gedanken doch mal weiter… Papst Benny ist im Grunde ganz begeistert vom Internet. Wie sieht das in seiner Fantasie denn aus? Nach Informationen über Homosexualität und Verhütung muss man erst gar nicht suchen, Pornos gibt es auch nicht (bye bye, Youporn!). Alle Blogger bloggen nur über Gott und seine Gebote und die Bibel. Klar, jeder hat Zugang zum Internet, um sich über Gott zu informieren und um selbst über Gottes Botschaft zu jubeln. Klingt das nicht traumhaft? Die Online-Nachrichten sind allesamt nur ein Abklatsch von idea.de, sämtliche unmoralischen und religionskritischen Inhalte werden gelöscht. Das gesamte Internet wird zu Bibel 2.0, gewidmet Gott 2.0. Ähm… danke, ich verzichte.

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Fundie-TV

Herzlich willkommen, werte Zuschauer, zu der neuesten Ausgabe von Fundie-TV. Und nun die neuesten fundamentalistischen Nachrichten für den Durchschnittsverblendeten…

Der von vielen braven Christen vermisste Ex-Präsident Bush hat Amerika nach Gottes Willen geführt. Das genaue Ausmaß wird jedoch erst jetzt bekannt: Sein Verteidigungsminister Rumsfeld, der selbst zwar wohl nicht von der brennenden Flamme des Glaubens geführt wird, jedoch mit Sicherheit von Gottes Hand gelenkt wurde, hat die aktuellen Meldungen zum göttlichen Irakkrieg mit Bibelzitaten geschmückt – auf das Bush Kraft in Gottes Wort finde. Halleluja, Rumsfeld!

Die totalitären Ansprüche der homosexuellen Sünder – die auf ewig in der Hölle brennen werden – haben einen neuen Höhepunkt erreicht: Erneut soll die Verbreitung von Forschungsergebnissen, die Therapien zur Bekehrung von Homosexuellen in brave Christenmenschen betreffen, verhindert werden.
Gottesfürchtige Hirnlose, wehrt euch! Kämpft für euer Recht, den armen Verdammten einen Weg aus der Sünde aufzuzeigen! Folgt dem Beispiel unserer ehrenwerten Vorbilder, die die Initiative “Für Freiheit und Selbstbestimmung” ins Leben gerufen haben! Homosexualität macht unglücklich, krank, ist ansteckend, beleidigt Gott und wurde von Satan geschickt -  und sie kann geheilt werden! Halleluja!
(via Spreeblick)

Und für alle, die es noch nicht wissen: Auch in Essen darf die teuflische Antichristenatheistenwerbung nun doch nicht auf Bussen angebracht werden. Wir sagen: In öffentlichen Bereichen ist nur Platz für unsere Propaganda Gott! Ein Halleluja für unsere gottesfürchtigen Verkehrsbetriebe!

Vielen Dank fürs Einschalten, werte Zuschauer. Und denkt immer daran: Fragt nicht, was Gott für euch verbrennen kann – fragt, was ihr für Gott verbrennen könnt! Denn Selig sind, die da geistlich arm sind; denn ihrer ist das Himmelreich. Amen.

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Halleluja!

Kennt ihr das auch, dieses mulmige Gefühl, das euch beschleicht, wenn ihr an all die armen Heidenkinder denkt? Diese armen, unschuldigen Geschöpfe, die dank ihrer fehlgeleiteten, vom Teufel verführten Eltern einmal qualvoll in der Hölle brennen werden?? Sehnt ihr euch nicht auch nach einer Lösung, um diese verirrten Schäfchen den Klauen des Teufels zu entreissen und sie in den Schoß eurer Kirche zu überführen?

Nun, auf dieses herzzerreissende Dilemma gibt es nun eine Antwort: Zwangstaufen!
Ja, ein paar barmherzige Fundies in den USA haben sich diesem Problem angenommen und versuchen nun, Kinder in einen Lieferwagen zu locken und sie zur nächsten Kirche zu transportieren, um sie dort zu taufen. Auch der notwendigen missionarischen Aufgabe an Grundschulen haben sie sich gewidmet. Halleluja! Ich konnte es kaum glauben, als ich von dieser frohen Botschaft gelesen habe. Und so habe ich meinen Brechreiz unterdrückt und mich aufgemacht, um die Kunde in die Welt hinauszutragen. Gesegnet sei die Cornerstone Baptist Church!

Oh, verdammt – entschuldigt mich, der Brechreiz wird nun doch übermächtig…

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