Musikvergewaltigungen und ihre Jurys

Ich glaube, ich muss mich hier jetzt mal outen: Ja, ich bin ein Fan des Grand Pix, inzwischen unbenannt in den Eurovision Song Contest. Ja, ich weiß, dass die Musik zu 40% Prozent aus grauenhaftem Popgedudel und zu weiteren 40 % aus grauenhaften Balladengejaule besteht. Und 10 – 20 % (je nach Jahr) sind einfach nur grauenhaft. Manchmal schäme ich mich regelrecht dafür, dass ich mich brav jedes Jahr mit meinem Vater vor den Fernseher setze und – same procedure as every year – mich über die Punkteschieberei zwischen den östlichen Ländern und unsere grauenhafte Interpretenauswahl aufrege.

Aber dieses Jahr soll alles anders werden.

Zunächst einmal: Unser Vertreter ist auch dieses Jahr wieder absolut grauenhaft. Ein schmieriger Schleimlappen singt ein leidenschaftsloses Lied mit einem Text, den ein Schüler mit nicht mal einem Jahr Englischunterricht zusammenstöpseln könnte und einem Titel, dass einem das Hirn zu den Ohren rausfliegt – furchtbar. Insoweit bleibt alles beim Alten.
Doch anstatt der Punkteschieberei zwischen Nachbarländern bekommen wir diesmal eine Jury, die die Hälfte der Punkte vergeben soll. Eine richtige Fachjury – angeblich, denn mit dem Begriff Fachjury wird heutzutage geradezu inflationär umgegangen. Wir können wohl froh sein, dass uns diesmal der unsägliche Bohlen erspart bleibt. Aber wer sitzt denn nun in der Fachjury für Deutschland? Da hätten wir…

… H.P. Baxxter – hat mir erst gar nichts gesagt, bis ich den Kerl auf dem Foto erkannt habe. Was zum Teufel hat der Frontmann von Scooter in einer Musikfachjury zu suchen?? Was hat Scooter überhaupt mit Musik zu tun? Was zum Teufel sollte einen Mann, der so geistreiche und melodische Texte wie „Hyper Hyper“ und „I feel hardcore“ ins Mikro brüllt, für die Bewertung von Musik qualifizieren?

… Jeanette Biedermann – ist schon ein bisschen qualifizierter, zumindest mit grauenhaftem Popgedudel kennt sie sich aus. Aber eigentlich finde ich es geradezu beleidigend, dass dieses Popprinzesschen für Deutschland entscheiden soll, was gute Musik ist. Jeanie, bleib lieber beim Slowly Dancing.

… Guildo Horn – moment: Guildo Horn?? Oh nein, bitte nicht… Guildo und gute Musik ist in etwa wie Körpergeruch und Deo. Das eine hebt das andere auf.

… Sylvia Kollek – who the fuck is Sylvia Kollek? Scheint eine Musikmanagerin zu sein und – irks – war auch schon Jurymitglied bei DSDS.

… Tobias Künzel – naja, wäre nicht meine erste Wahl, aber Die Prinzen sind ganz in Ordnung. Abgesehen davon ist er der einzige studierte Musiker in der Jury.

Ich weiß nicht, anhand dieser wirklich hervorragenden Fachjury drängt sich mir doch die Frage auf, ob es wirklich so schwer ist, qualifizierte Musikkenner zu finden. Anders kann ich mir nicht erklären, warum der Frontmann von Scooter und Guildo Horn in der Jury sitzen.
Nun, ob das das Punkteproblem löst, werden wir sehen. Seltsam, dass mich die neue Regelung so stört – wahrscheinlich gehörte das Meckern einfach dazu. Und ich sehe es schon kommen: Das neue Feindbild werden Jurys sein, die Länderpunkte an so grauenhafte Musikvergewaltigungen wie „Miss Kiss Kiss Bang“ vergeben. Ich freue mich schon drauf… ;)

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