Next stop: LARP-Verbot

Unglaublich. Jetzt müssen auch noch die LARPer dran glauben (via).

In Dortmund hat das Jugendamt ein LARP-Event abgesagt – und warum? Na, weil die da mit Schaumstoffschwertern aufeinander los gehen! Ist doch einleuchtend. Es kann doch nicht angehen, dass Jugendliche unter dem Motto „Weg vom Computer, raus in die Natur“ einander mit Schaumstoffwaffen verhauen und dabei auch noch Spaß haben!

Nun, das wäre doch auch ein guter Favorit für die nächste Verbotsarie. Das würde doch auch ganz gut zu dem geplanten Paintballverbot passen, man streicht einfach das Schuss- :

(1) Ordnungswidrig handelt wer,
1. Spiele veranstaltet, bei denen die Tötung oder Verletzung von Mitspielern unter Einsatz von Schusswaffen oder diesen nachgebildeten Gegenständen als Haupt- oder Nebeninhalt simuliert wird,
2. hierfür Grundstücke, Anlagen oder Einrichtungen bereitstellt oder
3. an solchen Spielen teilnimmt.

Argumentiert wurde übrigens mal wieder mit Winnenden. Die Dunkelziffer an Amokläufern, die von ihrem letzten LARP direkt in die nächste Schule gelaufen sind, muss ja enorm sein. Und die Gefährdung ist wirklich groß, Schwerter liegen schließlich überall rum, stecken in Steinen und so, da kann jeder Jugendliche einfach danach greifen und damit auf seine Mitschüler eindreschen.

Update: Ich wurde in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass sich das Jugendamt und die betroffenen LARPer mehr oder weniger geeinigt haben. Und ich möchte auch hier noch einmal darauf hinweisen, dass es zwar verständlich ist, dass nach einem Amoklauf alle ein bisschen dünnhäutig sind. Das ändert aber nichts daran, dass diese Empfindlichkeit eben auch zu Verboten führt, wie im Falle des Paintball-Sports.

Öhm… wie war die Frage nochmal?

Es tut gut, auch mal die Intelligenz unserer Politiker bewundern zu können. Da beschwert sich einer über die Tatsache, dass Eltern noch immer schlechter gestellt sind als Kinderlose und fordert einen annähernd gleichen Lebensstandart der beiden Gruppen. Und was antwortet die geistreiche CSU-Politikerin Dorothee Bär?

Herzlichen Dank für Ihre Rückmeldung. Eine Gleichstellung von Kinderlosen und Familien, wie Sie sie in Ihrem Schreiben ansprechen, halte ich für wenig förderlich für unsere Gesellschaft. Gemäß Art. 6 Grundgesetz stehen Ehe und Familie unter besonderem Schutz. Dieser Schutz wird auch durch den Staat ausgeübt.

Hoppala, da hat wohl jemand nur den letzten Satz gelesen und den auch prompt falsch verstanden. Dort heißt es nämlich:

Ich möchte nun von Ihnen wissen, was Sie konkret dafür tun, daß Kinderlose und Eltern gleich behandelt werden?

Soviel zur Lesekompetenz unserer Politiker. Da fühlt man sich als Bürger doch gleich viel besser – bei diesen Intelligenzbestien im Bundestag!

Update:
Das gilt natürlich auch für unseren alten Freund Eisler. Aber wie so oft in dieser Debatte gilt: Wozu Fragen beantworten, wenn man stattdessen die Propaganda der Oberleyen nachplappern kann?

Links des Tages (13.5.)

Bei fixmbr gibts auch noch eine tolle Zusammenfassung zur Deutschen Kinderhilfe.

Das BMI sperrt anscheinend auch schon Satireseiten. Schaut genau hin, das ist unsere Zukunft.

Der Klarseher dreht langsam völlig durch – Obama hat sich mit seinem ominösen Underground Reich verbündet und will dort die Führung des Ältestenrates übernehmen. Ich zittere, wirklich. Und er hält mich immer noch für seinen scharfsinnigen Verbündeten.

Bei der SZ gibt es einen ausgezeichneten Artikel über sexuellen Missbrauch – auch aus der Sicht der Täter.

Das französische Netz wird jetzt auch gesperrt – gegen die bösen Raubkopierer.

Großartig: This video made my day :D

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Wie schön, dass die Bundestagsabgeordneten so einfühlsam auf unsere Probleme eingehen…

So viel zum Thema „Gegner der Internetzensur sind Pädokriminelle“ – da stellt ein Bürger, der sich offensichtlich verstärkt mit dem Thema auseinandergesetzt hat, eine kritische Frage zu der heiß angepriesenen milliardenschweren Kinderpornoindustrie an MdB Dr. Stephan Eisel. Und was bekommt er als Antwort?

Ich wundere mich doch darüber, warum Sie den Versuch in Frage stellen, durch Erschwernis der Nutzung kinderpornographischer Internetseiten deren kommerziellen Erfolg einzuschränken.

Ich muss dazu gar nichts sagen, die Unterstellung „Kinderschänder“ trieft aus jedem Wort.

Lobbyarbeit live

Falls ihr grad ein bisschen Zeit habt: Guckt euch mal die Kommentare bei Netzpolitik.org an. Dort geht es um die Telefonaktion für die Abschaffung des Listenprivilegs – Lobbyisten und Listenprivilegsgegner schlagen sich gerade gegenseitig die Köpfe ein ;)

Ich persönlich habe ja grundsätzlich was gegen Werbung, aber mit dem Listenprivileg habe ich mich noch nicht wirklich befasst. Ich würde jetzt mal pauschal sagen, dass ich ein Problem damit habe, wenn Unternehmen ohne mein Wissen meine Daten weitergeben. Was da bei den Kommentaren an Lobbyarbeit geleistet wird, ist aber schon erstaunlich…

Yeah, sperrt die Verbrecher!

Nettes Fundstück aus dem Netz (via): Hartmut Schauerte von der CDU zu den Internetsperren. Beachtlich ist vor allem folgendes Zitat:

Hier geht es darum, den Zugang zu strafbaren, insbesondere zu kinderpornographischen Angeboten zu erschweren.

Da hat sich wohl jemand verplappert. Ganz offensichtlich geht es hier also doch nicht nur um Kinderpornographie, sondern auch ganz allgemein um „strafbare Angebote“. Da man die überall im Internet findet, werden wir bald wohl von den hübschen roten BKA-Schildchen umzingelt sein. Demnächst werden hier noch Websites, die einfach versehentlich ein urheberrechtlich geschütztes Bild verwenden, gesperrt. Ist ja auch illegal.
Nun gut, überraschend ist das nicht. Der Bundestrojaner, der ganz ausschließlich und wirklich nur gegen Terroristen eingesetzt werden sollte, soll ja inzwischen auch gegen „organisierte Kriminalität“ eingesetzt werden – zumindest, wenn es nach dem Ziercke ginge. Da kann man sich mal überlegen, wie schnell ein so verlockendes Gesetz wie die Internetsperre Begehrlichkeiten weckt – Urheberrechtsverletzungen stehen ja schon auf der Agenda.
Der Blödsinn von der „Evaluation“, den der Brauksiepe immer so brav herunterbetet, scheint auch vom Schauerte stammen – der Wortlaut ist jedenfalls beinahe identisch.

Schön ist auch diese Anfrage an unsere große Bundeszensurministerin. Desinformation ist die neue Antwort – hat die gute Leyen auch nur eine einzige der ihr gestellten Fragen beantwortet? Ihre Antwort besteht nur aus dem altbekannten Propaganda- und Rechtfertigungsblabla. Man müsste meinen, dass eine Frau, die Ministerin geworden ist, zumindest in der Lage ist, gestellte Fragen zu erkennen.

Who’s next?

Ich frage mich ja schon seit längerem, was als nächstes zensiert wird – die Sperren gegen Kinderpornografie sind mit Sicherheit nicht das Ende, sondern nur der Anfang. Mal sehen, wie gut ich mit meiner Wette bin.

Ich denke, als erstes werdes die Anleitungen zur Umgehung der Sperre aus dem Netz verschwinden, sozusagen als Selbstschutzmaßnahme.
Dann werden sämtliche Urheberrechtsverletzungen und Glücksspielseiten – bis auf Lotto, da verdient der Staat ja kräftig dran – gesperrt. Überhaupt denke ich, dass so ziemlich alle illegalen Inhalte, seien es nun Hackertools, Warez oder Bombenbastelanleitungen, innerhalb von 5 Jahren nach Verabschiedung des Gesetzes hinter einem hübschen roten Schildchen verschwinden werden.

Das wikileaks wegzensiert wird ist ja geradezu obligatorisch, das könnte sogar mit der Kinderpornokeule gerechtfertigt werden – immerhin hat wikileaks Adressen mit (größtenteils angeblichen) KiPo-Material veröffentlicht. Böses wikileaks, Unterstützer der Pädophilen.

Dann muss die Jugendanscheinspornografie dran glauben. Da wird zwar niemand vergewaltigt oder missbraucht, aber die Pädophilen könnten sich trotzdem dran aufgeilen. Damit wird jeder Porno, dessen Darsteller ein kurzsichtiger verbohrter 65-jähriger Richter BKA-Beamter für minderjährig hält, aus dem Netz verschwinden.

Irgendwann werden auch die ersten Blogs gesperrt – ich tippe auf Fefe als erstes Opfer. Kurz darauf folgen Netzpolitik.org und die Jungs von ZAF.

Spätestens jetzt muss auch youporn dran glauben. Pornos allgemein verderben nämlich den Charakter. Abgesehen davon kann jeder da Videos hochladen – wobei wir wieder bei der Jugend- und Jugendanscheinspornografie wären.

Nach und nach verschwinden immer mehr Blogs. Irgendwann jetzt wird auch dieses Blog daran glauben müssen – wahrscheinlich eher später als früher, weil ich bisher noch nicht so viele Leser habe. Vielleicht auch früher, weil ich so fies zu unserer Führungsjunta bin (*schnüff*). Das werden wir dann sehen.

Wenn die Blogs erst mal weg sind, werden irgendwann auch die regulären Medien… ähm… höflich gebeten, ihre Kritik an der Regierung nur noch wohldosiert und gewisse Standarts einhaltend abzugeben. Kritik an Zensursula und Konsorten schürt nämlich nur Unsicherheit unter den Schäfchen Bürgern und stört die Volkseinheit.

Und Religionskritik wird dann auch gesperrt. Die gilt ja schon heutzutage als unhöflich. Wenn erst mal die Meinungsfreiheit leicht eingeschränkt wurde, dürfte es ein leichtes sein, auch die Religionskritik zu illegalisieren. Die paar Atheisten… pah!

Und was wird sonst so alles noch gesperrt? Zum Beispiel youtube – wegen der bösen Gewaltvideos. Internetanonymisierungsdienste verschwinden auch, ich meine, das kann doch nicht angeht, dass ein braver Bürger surft, ohne vom Staat beobachtet zu werden! Killerspiele sind bis dahin auch restlos verboten und werden dementsprechend geblockt. Sämtliche Rechtsradikalen und Linksradikalen Inhalte werden gesperrt. Und der CCC ist auch bald weg.

Und, was wird eurer Meinung nach zuerst zensiert? Hier könnt ihr eure eigene Wette abgeben.

Dubiose Unterschriftensammler

Die Leser meines Blogs dürften ja schon wissen, dass der „Deutsche Kinderhilfe e.V.“ nun Unterschriften für die Internetzensur sammelt – natürlich mit dem altbekannten Totschlagargument. Es geht hier doch um die Kinder!
Zusätzlich findet sich folgendes bei dem Aufruf:

Es darf kein Grundrecht auf Verbreitung kinder“pornographischer“ Seiten geben. Was für Druckwerke und Zeitungen gilt, muss auch im Internet gelten – denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum!

Kommt uns das nicht bekannt vor? Genau, es ist das gleiche nichtssagende und inhaltslose Argument, das auch eine ganze Reihe unserer Lieblingspolitiker gerne benutzt.
Noch viel erschreckender finde ich aber folgendes:

Dem Einsatz von effektiven Proxyservern, wie es in England der Fall ist, steht damit nichts mehr im Weg. (…) Dieses Gesetz gibt den Providern nun die Möglichkeit, effektive und nicht zu umgehende Sperrmechanismen zu installieren.

Hier werden quasi Zwangsproxys gefordert – und das wäre wirklich Zensur. Eine solche Sperre kann man nicht mehr mit einem alternativen DNS-Server umgehen. Wenn auf der BKA-Liste „zufällig“ doch KiPo-freie Seiten landen, sind die weg vom Fenster – die geplanten Stopschilder sind schlimm genug, aber das wären chinesische Verhältnisse.

Die Kinderhilfe will übrigens unter anderem vor Fußballstadien ihre Unterschriften sammeln. Angetrunkene Familienväter zu einer Unterschrift gegen Kinderpornos zu bewegen ist ja auch soo schwer. Leider wird ihnen niemand die Gegenargumente nennen, aber wer arbeitet schon gerne seriös, wenn man mit populistischem Kackmist viel mehr Unterschriften bekommen kann? „Wir sind für die Sperrung von Kinderpornoseiten, auch wenn diese von jedem umgangen werden kann und es eigentlich gar keine richtige Kinderpornoindustrie gibt, die wir sperren können“ klingt halt einfach nicht so gut.

Diese ganze Kinderhilfe ist sowieso ziemlich dubios. Der Deutsche Spendenrat hat diesen Verein Mitte 2008 ausgeschlossen, weil der ganze Spendenfluss wohl nicht wirklich transparent war. Während der Beratungen dazu hat die Deutsche Kinderhilfe anscheinend allen Mitgliedern dieses Rates angedroht, strafbewehrte Unterlassungserklärungen anzuleiern und somit die angehörigen Organisationen dazu gezwungen, ihre Spendengelder Anwälten in den Rachen zu werfen. Auch datenschutzmäßig scheinen die nicht ganz astrein zu sein.
Die ganze Story findet ihr bei der Welt online: hier, hier und hier.

Viel interessanter finde ich aber die Verbandelung mit Zensursula und Konsorten: Da waren offensichtlich schon richtige Schwergewichte Schirmherren irgendwelcher Projekte. Und dann das hier:

Die Probleme bei der Deutschen Kinderhilfe sind auch politisch hoch brisant, weil Ehrmann sich bisher auf großen Rückhalt von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlassen konnte. Im vergangenen Jahr hielt Ehrmann sogar ein Referat zum Thema Kinderarmut vor dem CDU-Bundesvorstand – „in Anwesenheit von Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel und der CDU-Ministerpräsidenten“, wie es im Vereinsbericht 2007 heißt.

Unsere gute Zensursula ist also schon seit einer ganzen Weile Unterstützerin dieser Organisation. Und nun versucht die Kinderhilfe, ihr beim Durchpeitschen dieses unsäglichen Zensurgesetzes zu helfen – ein Schelm ist, wer böses dabei denkt.

Ein paar Freunde der Kinderhilfe haben übrigens versucht, Wikipedia in ein kostenloses PR-Forum zu verwandeln. Wikipedia hat zwar nicht viel über die Deutsche Kinderhilfe zu berichten, dafür aber auch nicht viel Positives. Das hat ein paar Unterstützern wohl nicht so ganz gepasst.

Weitere Infos findet ihr auch bei Netzpolitik.org und bei dondahlmann. Der meint dazu übrigens, dass jemand in Berlin nervös zu werden scheint, deswegen sei die Deutsche Kinderhilfe aktiviert worden. Das ist ein interessanter Aspekt, bei dem Sumpf würde mich das aber nicht wundern.

Entschuldigt die teilweise doppelten Verlinkungen der gleichen Artikel, aber es ist schon spät und die Handwerker stehen bei mir in ein paar Stunden auf der Matte. Aber das musste ich noch bloggen :)

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