Dubiose Unterschriftensammler

Die Leser meines Blogs dürften ja schon wissen, dass der „Deutsche Kinderhilfe e.V.“ nun Unterschriften für die Internetzensur sammelt – natürlich mit dem altbekannten Totschlagargument. Es geht hier doch um die Kinder!
Zusätzlich findet sich folgendes bei dem Aufruf:

Es darf kein Grundrecht auf Verbreitung kinder“pornographischer“ Seiten geben. Was für Druckwerke und Zeitungen gilt, muss auch im Internet gelten – denn das Internet ist kein rechtsfreier Raum!

Kommt uns das nicht bekannt vor? Genau, es ist das gleiche nichtssagende und inhaltslose Argument, das auch eine ganze Reihe unserer Lieblingspolitiker gerne benutzt.
Noch viel erschreckender finde ich aber folgendes:

Dem Einsatz von effektiven Proxyservern, wie es in England der Fall ist, steht damit nichts mehr im Weg. (…) Dieses Gesetz gibt den Providern nun die Möglichkeit, effektive und nicht zu umgehende Sperrmechanismen zu installieren.

Hier werden quasi Zwangsproxys gefordert – und das wäre wirklich Zensur. Eine solche Sperre kann man nicht mehr mit einem alternativen DNS-Server umgehen. Wenn auf der BKA-Liste „zufällig“ doch KiPo-freie Seiten landen, sind die weg vom Fenster – die geplanten Stopschilder sind schlimm genug, aber das wären chinesische Verhältnisse.

Die Kinderhilfe will übrigens unter anderem vor Fußballstadien ihre Unterschriften sammeln. Angetrunkene Familienväter zu einer Unterschrift gegen Kinderpornos zu bewegen ist ja auch soo schwer. Leider wird ihnen niemand die Gegenargumente nennen, aber wer arbeitet schon gerne seriös, wenn man mit populistischem Kackmist viel mehr Unterschriften bekommen kann? „Wir sind für die Sperrung von Kinderpornoseiten, auch wenn diese von jedem umgangen werden kann und es eigentlich gar keine richtige Kinderpornoindustrie gibt, die wir sperren können“ klingt halt einfach nicht so gut.

Diese ganze Kinderhilfe ist sowieso ziemlich dubios. Der Deutsche Spendenrat hat diesen Verein Mitte 2008 ausgeschlossen, weil der ganze Spendenfluss wohl nicht wirklich transparent war. Während der Beratungen dazu hat die Deutsche Kinderhilfe anscheinend allen Mitgliedern dieses Rates angedroht, strafbewehrte Unterlassungserklärungen anzuleiern und somit die angehörigen Organisationen dazu gezwungen, ihre Spendengelder Anwälten in den Rachen zu werfen. Auch datenschutzmäßig scheinen die nicht ganz astrein zu sein.
Die ganze Story findet ihr bei der Welt online: hier, hier und hier.

Viel interessanter finde ich aber die Verbandelung mit Zensursula und Konsorten: Da waren offensichtlich schon richtige Schwergewichte Schirmherren irgendwelcher Projekte. Und dann das hier:

Die Probleme bei der Deutschen Kinderhilfe sind auch politisch hoch brisant, weil Ehrmann sich bisher auf großen Rückhalt von Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) und Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen (CDU) verlassen konnte. Im vergangenen Jahr hielt Ehrmann sogar ein Referat zum Thema Kinderarmut vor dem CDU-Bundesvorstand – „in Anwesenheit von Frau Bundeskanzlerin Dr. Merkel und der CDU-Ministerpräsidenten“, wie es im Vereinsbericht 2007 heißt.

Unsere gute Zensursula ist also schon seit einer ganzen Weile Unterstützerin dieser Organisation. Und nun versucht die Kinderhilfe, ihr beim Durchpeitschen dieses unsäglichen Zensurgesetzes zu helfen – ein Schelm ist, wer böses dabei denkt.

Ein paar Freunde der Kinderhilfe haben übrigens versucht, Wikipedia in ein kostenloses PR-Forum zu verwandeln. Wikipedia hat zwar nicht viel über die Deutsche Kinderhilfe zu berichten, dafür aber auch nicht viel Positives. Das hat ein paar Unterstützern wohl nicht so ganz gepasst.

Weitere Infos findet ihr auch bei Netzpolitik.org und bei dondahlmann. Der meint dazu übrigens, dass jemand in Berlin nervös zu werden scheint, deswegen sei die Deutsche Kinderhilfe aktiviert worden. Das ist ein interessanter Aspekt, bei dem Sumpf würde mich das aber nicht wundern.

Entschuldigt die teilweise doppelten Verlinkungen der gleichen Artikel, aber es ist schon spät und die Handwerker stehen bei mir in ein paar Stunden auf der Matte. Aber das musste ich noch bloggen :)

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