Danke, ESC, ich habe mich köstlich amüsiert!

Ich habe mir wirklich überlegt, ob ich den ESC einfach übergehen sollte. Letztendlich kann ich mir aber doch nicht verkneifen, meinen Senf dazuzugeben.
Zunächst einmal: Es war musikalisch zwar wirklich grauenhaft, hatte dafür aber hohen Unterhaltungswert.

Russland hat sich ja wirklich Mühe gegeben. Während draußen homosexuelle Demonstranten niedergeknüppelt wurden, wurde drinnen der halbe Cirque du Soleil angekarrt und der letztjährige Gewinner abgeseilt. Danach übernahmen die Moderatoren das Ruder – für den Rest des Abends durften wir einen gezwungen fröhlichen jungen Mann und eine Schaufensterpuppe mit leerem Blick bewundern, die geistreiche Kommentare zu den einzelnen Auftritten abgaben.
Aber auch der deutsche Kommentator war nicht ohne, da durfte man sich Perlen der Weisheit wie „Das wäre jetzt sicher sehr lustig gewesen, wenn man russisch könnte“ anhören.

Besonders schön waren mal wieder die Bühnenshows: Da gab es beispielsweise einen Heile-Welt-Hintergrund wie aus einem Kinderbuch für Portugal, tanzende Wasserleichen für Kroatien oder die Vampirshow für Moldawien. Anderswo flog mal eben ein Delphin im All umher – weswegen auch immer – und die Ukraine versuchte mit ein paar bizarren Gladiatoren zu punkten. Auch der grüne Glitzerspiderman für Albanien war wirklich amüsant und für Finnland pseudorappt ein Opi vor brennenden Mülltonnen.

Auch an Schleimbeuteln hatte der ESC mal wieder einiges zu bieten. Neben Deutschlands Oscar war vor allem der griechische Interpret das eine oder andere Igitt wert – das Hemd aufgeknöpft bis zum Nabel und viel zu kurz, die Hose ausgestopft  und das alles in einem strahlenden Weiß.

Wenn euch einige der Songs höchst bekannt vorkamen, ist das kein Wunder. Dänemark hat seinen eigenen Ronan-Keating-Verschnitt ins Rennen geschickt, beim finnischen Auftritt kam man sich plötzlich vor wie bei einem DJ-Bobo-Konzert, und auch die türkischen und spanischen Songs erinnern uns an irgendetwas… ach ja, an die letzten ESC-Jahre. Auch die Melodie des Beitrags aus Bosnien-Herzegowina kommt mir wahnsinnig bekannt vor… ich bin für jeden Tipp dankbar, der mir da weiterhilft :)

Letztendlich hat dann Norwegen gewonnen: Ein unschuldiger Geigenspieler hat mit seinem braven Liedchen ein Rekordergebnis eingefahren. Und ich frage mich immer noch warum. Ich will nicht sagen, dass der Sieg unverdient ist – so groß war die Konkurrenz nun wirklich nicht. Aber so dolle war der Song nun auch wieder nicht, dass beinahe die doppelte Punktzahl des Zweitplatzierten gerechtfertigt wäre. Nun, das bleibt wohl eines der großen Geheimnisse der Menschheit…

Bei Popkulturjunkie gabs übrigens einen netten Liveblog mit allen Scheußlichkeiten zum Nachlesen  :)

Advertisements
Veröffentlicht in Kultur - oder so.... Schlagwörter: , . 2 Comments »

2 Antworten to “Danke, ESC, ich habe mich köstlich amüsiert!”

  1. DDH Says:

    Musikalisch am herausragendsten fand ich Jade Ewen die für Großbritannien antrat!

  2. nothingelse89 Says:

    Stimmlich auf jeden Fall, dagegen stank sogar die Opernsängerin ab. Aber Andrew Lloyd Webber und seine Musicals haben nichts auf dem ESC zu suchen, das Lied war kotzlangweilig. Schade, musikalisch gesehen hätte sie den Sieg verdient.


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: