Gerüchteküche rund um den Kinderhilfe-Hack

Der Hack der Homepage der Deutschen Kinderhilfe lässt anscheinend die Gemüter ein bisschen hochkochen…

Was ich von diesem Blödsinn halte, habe ich ja schon klar gemacht – und ich bleibe dabei, auch wenn der eine oder andere meint, mich deshalb beleidigen zu müssen.

Allerdings habe ich auch schon an verschiedenen Ecken gehört, dass der Hack von der Kinderhilfe selbst vorgetäuscht worden sein soll. Auch wenn ich das nicht vollkommen ausschließe, halte ich es doch für um einiges wahrscheinlicher, dass da tatsächlich ein Zensurgegner übers Ziel hinausgeschossen ist.
Überlegt doch mal: Wenn ihr von der Kinderhilfe wärt, würdet ihr tatsächlich auf eure eigene nicht ganz so reine Weste hinweisen? Würdet ihr tatsächlich Links zu Argumenten gegen die Sperren setzen, die eure eigenen Argumente vollkommen entkräften?
Wenn die Kinderhilfe wirklich einen Hack vortäuschen wollen würde, würde sie zwar erkennen lassen, dass das die bösen Sperrgegner waren, aber sie würde sich doch nicht in die eigene Suppe spucken. Und die umgestaltete Homepage war ja ganz offensichtlich eine Weile online – da gucken doch potentielle Befürworter der Unterschriftenaktion! Wieso haben die Mitarbeiter die Seite nicht nach kurzer Zeit vom Netz genommen? Die Geschichte mit dem Hack hätten sie genau so aufbauschen können.
Ihr seht also, die Geschichte mit dem selbst initiierten Hack hat einige Lücken.

Dann lese ich auch immer wieder, die Kinderhilfe hätte es verdient. Entschuldigt mal, was ist das denn für ne Aussage? Die Kinderhilfe scheint zwar einiges an Dreck am Stecken zu haben und ihre Aktion ist mehr als fragwürdig, aber wir kämpfen hier für den Rechtsstaat. Zu illegalen Mitteln zu greifen macht uns unglaubwürdig. Wenn wir das tun, sind wir nicht viel besser als die Kinderhilfe – nur weil uns ihre Methoden nicht gefallen, müssen wir uns nicht auf das gleiche Niveau herunterlassen.

Noch viel dümmer finde ich allerdings die Aussage, der Hack sei durch Art. 20 IV GG gerechtfertigt. Vielleicht solltet ihr das Grundgesetz noch mal lesen:

(4) Gegen jeden, der es unternimmt, diese Ordnung zu beseitigen, haben alle Deutschen das Recht zum Widerstand, wenn andere Abhilfe nicht möglich ist.

Zunächst einmal: „wenn andere Abhilfe nicht möglich ist“. Noch leben wir in einer Demokratie. Wir können der Kinderhilfe den Mittelfinger zeigen. Dass manche Menschen so schlecht informiert sind, dass sie den Mist der Kinderhilfe einfach glauben, und dass die Kinderhilfe bewusst desinformiert, bedeutet nicht, dass andere Abhilfe nicht möglich ist. Auch wenn der Staat durch dieses Gesetz die Gewaltenteilung in diesem Bereich faktisch abschafft, ist Art. 20 IV GG erst dann gegeben, wenn auch das Bundesverfassungsgericht nichts unternimmt.
Abgesehen davon müsst ihr euch nur ein paar Stunden in grundlegendes Verfassungsrecht einlesen, um zu realisieren, dass mit diesem Artikel ausschließlich staatliche Organisationen gemeint sind. Nur diese haben überhaupt die Möglichkeit, die Gewaltenteilung abzuschaffen – die Kinderhilfe könnte sich auch für die Abschaffung der Menschenwürde einsetzen, Art. 20 IV GG würde trotzdem nicht greifen. Und sie kann auch nichts „unternehmen, diese Ordnung abzuschaffen“. Sie kann sich dafür einsetzen, aber das ist etwas anderes.

Und auch die Aussage, der Hacker hätte mehr erreicht als die ganzen „Gutmenschen“ und Petitionsunterschreiber, ist absoluter Schwachsinn. Was hat dieser Honk denn bitte erreicht? Er hat die Homepage lahm gelegt, ganz toll. Die Kinderhilfe nimmt mit Sicherheit schon Anlauf, uns alle als Hacker zu diffamieren – ihr denkt doch nicht wirklich, dass die Verantwortlichen sagen: „Ja, wir wurden gehackt, aber das war nur die Aktion eines Einzelnen. Die restlichen Gegner der Sperren von Kinder“pornographie“ sind ansonsten unbescholtene Bürger.“ Inzwischen kennen wir die Öffentlichkeitsarbeit der Kinderhilfe gut genug, oder?

Nun, die Homepage der Kindehrilfe ist immer noch down. Ich bin ja mal gespannt, wie sich das auf die öffentliche Stellungnahme auswirkt…

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Eine Antwort to “Gerüchteküche rund um den Kinderhilfe-Hack”

  1. dosch Says:

    Dass die Kinderhilfe den Hack vorgetäuscht hat, glaube ich auch nicht, und zwar aus den gleichen Gründen wie du. Dass sie es aber nach zwei Tagen immer noch nicht geschafft hat, den Website wieder online zu haben, sieht so aus, als wenn sie sich ein wenig im ihnen zugefügten Leid suhlen wollten. Aber vielleicht konnten sie tatsächlich am Wochenende ihren »Webmaster« nicht erreichen.

    Ich bezweifele aber, dass die Aktion irgendwelche negativen Folgen in Bezug auf die Petition haben wird. Das lässt sich schlecht öffentlich breittreten, ohne auf das einzugehen, was der Hacker geschrieben hat.


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