Klassenverräterin

Ich bin ja eigentlich Femistin. Eigentlich. Denn häufig frage ich mich, ob ich mich überhaupt so nennen darf – das sind dann die Momente, ich denen ich mich ein bisschen als Klassenverräterin fühle.

Erst vor ein paar Stunden habe ich erst mit einer Freundin diskutiert, die mit mir im Konvent sitzt – dieser will nämlich eine Frauenquote einführen. Nun ja, Frauenquoten sind an sich keine schlechten Sache – bis ein Gremium/Aufsichtsrat/was auch immer zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt ist, muss bei gleicher Qualifikation die Frau bevorzugt werden.
Was genau dem Konvent da eigentlich vorschwebt, ist mir aber nicht ganz klar. Die Geschäftsführung soll wohl zu gleichen Teilen mit Frauen und Männern besetzt werden. Naja, eigentlich eine ganz gute Idee – wenn es genug Bewerber gäbe. Jetzt wird das Problem der mangelnden Bewerber nur noch verschärft.
Und darüber hinaus stellt sich mir die Frage, wozu wir überhaupt eine Quote brauchen. Ich kenne keine Partei, Arbeitsgruppe oder Gremium, das sich so sehr mit der Frage der Gleichberechtigung beschäftigt – wir sind so gleichberechtigt, dass es schon fast weh tut. Wozu dann auch noch eine Frauenquote? Sollten wir uns nicht um die Belange der Studenten kümmern, anstatt uns mit derartigen Grundsatzdiskussionen selbst zu behindern?

Und da kommt er schon wieder, der große rote Schuldhammer. Darf ich als „Femistin“ überhaupt so denken? Sollte ich nicht vielmehr jede Diskussion, die die Gleichstellung der Frau vorantreibt –  sei sie auch noch so sinnlos – begrüßen?

Ein weiteres Beispiel: Die Emma. Ja, ich weiß, was die meisten von euch jetzt denken, aber ich wollte sie zumindest einmal gelesen haben. Und so habe ich dem Zeitschriftendealer meines Vertrauens hart verdiente 7 Euro in den Rachen geworfen und mir Alice Schwarzers geistige Ergüsse reingezogen. Nun, insgesamt waren die Artikel recht gut geschrieben und auch informativ – der Ansatz, dass der Amokläufer von Winnenden von Frauenhass angetrieben wurde, war wirklich interessant und ich bin auch geneigt, mich in diesem Punkt Deutschlands Oberfrau Schwarzer anzuschließen. Aber dann kam die Bombe – Pornos! Böse, böse Pornos!! Aufgezeichnete Erniedrigung von Frauen! Ooookay…. ich hab kein Problem mit Pornos. Muss ich jetzt erwarten, dass mir eine aufgebrachte Feministenmeute auflauert und mich steinigt?
Ach nee, das machen Frauen ja nicht. Es sind die Männer, die böse Killerspiele spielen und dann zu Amokläufern werden. Ja nee, ist klar.

Gesamtfazit: Killerspiele? Böse. Pornos? Böse. Bondagepornos? Holt einen Exorzisten! Prostitution? Sehr sehr böse. Männer? Nein, nicht böse. Aber Frauen sind die besseren Menschen – hätten wir mehr Frauen in Machtpositionen, gäbe es keine Kriege mehr.

Na toll. Und das solls jetzt gewesen sein? Muss ich als Femistin tatsächlich alle Frauen in Machtpositionen toll finden und Pornos schlecht? Ist es tatsächlich das, was uns ausmachen soll? Oder bin ich einfach nur eine Klassenverräterin?

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Veröffentlicht in Politisches und Volksverdummung. Schlagwörter: . 9 Comments »

9 Antworten to “Klassenverräterin”

  1. phenomics Says:

    Alice Schwarzer … heikles Thema. bin selber keine Frau, finde aber viele ihrer Ansichten interessant. Ich begreife aber bis heute nicht, warum sie Pornographie grundsätzlich verteufelt. Sind es nicht im Endeffekt Männer, die viel Geld dafür ausgeben und z.T. davon abhängig werden?

    Besonders interessant fand Ich ja auch anfangs den Aspekt der Degradierung der Frau zum Objekt. Grotesk könnte man da ja schon fast behaupten, dass eine Frau beim Sex zum Objekt werden würde … Cool, eine Verwandlung :-D Aber mal im ernsteren Sinne: Die Ansichten, die Frau Schwarzer vertritt sind überholt und das allgemeine Frauenbild hat sich (dank ihr) auch deutlich geändert. Ob zum besseren lasse Ich mal so stehen.

    Ich muss leider gestehen, dass Ich in einem Frauenhaushalt aufgewachsen bin, daher weiss Ich, dass der folgende Spruch nicht „typisch Mann“ ist: Leute wie Alice Schwarzer sind einfach verklemmt, sie sollten mal wieder die Beine breit machen [der Witz daran ist ja, dass Schwarzer sich für Outings etc. einsetzt, aber selbst nie öffentlich bekannt hat, dass sie lesbisch ist]. So weit ist es schon mit der Gleichberechtigung gekommen … schamlose Sprüche sind nicht mehr der Männerwelt vorbehalten :-\ Scheiß Sex and the City ;-)

  2. Blinkfeuer Says:

    Die Frauenquote hat ja „dasMerkel“ erst möglich gemacht. Um 1990 rum kamen ja einige PhysikerInnen aus der DDR auf Quotenplätze in Gesamtdeutschland. Frisch ausgebildete BRD Physiker ohne
    -IN durften Taxi fahren.

  3. Peter Kerl Says:

    Huhu Nothing-Else,

    eigentlich hatte ich Dich ja im Rahmen unserer Zensursula-Kampagne entdeckt (Rettet-das-Internet) und schaue mittlerweile regelmäßig vorbei. Gibt immer was zu entdecken bei Dir.

    Okay, zu Frauenquote und so Zeug äußere ich mich als vermutlich letzter Überlebender der aussterbenden Chauvi-Kaste mal lieber nicht. Habe Dich aber dennoch gerne in meine private Blog-Roll (Unglaublich-Blog) aufgenommen. Wenn schon ne Frau in meinem sexistischen Männerclub, dann wenigstens ne Emanze ;-)

    Grüße von Peter

  4. SoWhy Says:

    Achja, Frauenquoten. Wieso werden die nur immer dort eingeführt, wo eh keine Frauen sich für den „Job“ interessieren?^^

  5. aga80 Says:

    Hach ja die Frauenquote … .

    Das erinnert mich an einige unschöne Vorstellungsgespräche vor 2 ½ Jahren , da ist mir mehr indirekt mitgeteilt worden , das die Stelle eher an Frauen vergeben werden soll , und das in einem Beruf mit ü 70% Frauen … da fällt einem auch nix mehr ein .

    Nicht nur die pösen pösen Männer können diskriminieren …

  6. nothingelse89 Says:

    @ aga80
    Hmm, da fällt mir nur der Begriff „Klassischer Frauenberuf“ ein. Das ist natürlich auch eine Art der Diskriminierung – Frauen sollen in klassischen Frauenberufen gehalten werden, während die Männer da rausgehalten werden sollen. Bei sowas krieg ich echt das kalte Kotzen.

    @ SoWhy
    Ach ja? Da frag ich jetzt doch mal ganz frech nach einem Beispiel und einem Grund, warum Frauen sich nicht für diesen Beruf interessieren :)

    @ Peter Kerl
    Hui, das nenne ich mal ein Kompliment ;)
    Und du weißt doch, nur wenige sind lernresistent. Ich hab bisher noch jeden Chauvi in Grund und Boden diskutiert ;)

    @ phenomics
    „Ob zum besseren lasse Ich mal so stehen“
    Bei dieser Aussage muss ich doch mal nachfragen, in wie weit du denkst, dass sich das Frauenbild zum Negativen geändert hat. Meinst du damit nur das Feindbild der „Bösen Emanze“, zu dem Alice Schwarzer ja auch beigetragen hat? Oder geht es um etwas anderes?

  7. maxx Says:

    Selbstverständlich sind Frauenquote eine schlechte Sache, denn sie benachteiligen Männer aufgrund ihres Geschlechts und so etwas wie ‚positive Diskriminierung‘ gibt es nicht. In den Parteien sehen wir schon, wohin Frauenquoten führen. In den Führungspositionen sitzen wesentlich mehr Frauen, als es dem weiblichen Mitgliederanteil entspricht. Und über das eklatante Versagen von Quotenfrauen wie Ypsilanti, von der Leyen, Simonis, Merkel etc. braucht wohl kein Wort mehr verloren zu werden.
    Wer als Feministin keine Frauenbevorzugung will, ist keine. Wer für Frauen gleiche Rechte ohne gleiche Pflichten (z.B. Wehrdienst, Gleichbehandlung in der Strafjustiz) fordert, ist eine. Und wer Zweifel an der generellen Besserstellung von Frauen hegt, sollte mal Gogolins alten Roman vom Puppenkasper durchlesen – danach ist er geheilt.

    • nothingelse89 Says:

      Ich fürchte, du hast da ein Detail nicht bedacht: Netzwerke. Gerade in hohen Positionen sind viele Männer in umfangreiche Netzwerke eingebunden. Ich mag das Wort „Seilschaften“ nicht, doch leider existieren sie – Frauen haben manchmal kaum eine Chance, ohne eine Quote in hohe Positionen zu kommen. Abgesehen hängen Viele noch dem Mythos an, Frauen wären für Führungspositionen schlechter geeignet als Männer. Und in solchen Fällen braucht man eine Quote. Wenn Frauen sich trotz gleicher oder sogar besserer Qualifikation nicht gegen ihre männlichen Kollegen durchsetzen können, muss die Gleichberechtigung eben erzwungen werden. Leider.


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