Deutsche Post in Sammellaune

Ach, wie schön, der nächste Datenskandal: Auch bei der Deutschen Post sind Krankendaten der Mitarbeiter gespeichert worden. Die Post war hierbei nicht gerade zimperlich – in mindestens zwei Briefzentren wurden genauste Beschreibungen und Details über Krankheiten registriert und zum Teil auch mit Empfehlungen und Handlungsanweisungen versehen. Natürlich, dein Arbeitgeber weiß genau, was gut für dich ist. Und wer bekommt denn nicht gerne die Empfehlung, aufgrund seiner Erkrankung in den Vorruhestand zu gehen?
Aber das war natürlich ein Einzelfall und wird sich auf gar keinen Fall wiederholen – da haben Beschäftigte völlig eigenständig gegen die Datenschutzrichtlinien verstoßen. Und die Deutsche Post hat das alles natürlich sofort gelöscht und personelle Konsequenzen gezogen. Glaub ich sofort, seit wann sind die Unternehmen denn die Bösen?

Ich weiß gar nicht, warum ich mich eigentlich noch darüber aufrege. Schließlich befindet sich die Deutsche Post in guter Gesellschaft mit Lidl, Müller und Daimler – alles natürlich nur Einzelfälle, gell?

Kurze Klarstellung: Ich wurde in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass man durchaus von Einzelfällen sprechen kann, schließlich handelt es sich bei den bisher bekannt gewordenen Fällen doch um eine überschaubare Anzahl an Unternehmen. Das stimmt natürlich, dieser Kommentar war jedoch ganz anders gemeint:
Die Unternehmen, in denen bisher Datenskandale aufgedeckt wurden, haben zunächst oft behauptet, es handele sich hierbei nur um Einzelfälle (also innerhalb der Firma). Im Nachhinein stellte sich bisher jedoch immer heraus, dass diese Skandale ein weitaus größeres Ausmaß hatten, als behauptet wurde. Es handelte sich eben nicht um Einzelfälle. In diesem Kontext ist „alles natürlich nur Einzelfälle“ zu verstehen – ich entschuldige mich für die entstandenen Unklarheiten :)

Veröffentlicht in Recht und Ordnung. Schlagwörter: , . 6 Comments »

6 Antworten to “Deutsche Post in Sammellaune”

  1. thearcadier Says:

    Du machst da einen Fehler. Du darfst die ganzen Skandale auch nicht zusammennehmen. Wenn Du stattdessen jeden Skandal für sich nimmst, dann passt das wieder mit den Einzelfällen^^

    • nothingelse89 Says:

      Oh, so meinte ich das auch. In jedem Unternehmen gibt es solche Einzelfälle – es sind immer „Einzelfälle“, auch wenn sich danach herausstellt, dass das gesamte Unternehmen davon betroffen ist.

  2. Muriel Says:

    Na ja. Ich erinnere mich über die von dir genannten Fälle hinaus noch an die DB. Das sind dann fünf. Wenn man mal bedenkt, wie viele Unternehmen es in Deutschland so gibt, und wie viele Leute da insgesamt arbeiten, dann können wir bei fünf Datenskandalen doch wohl von Einzelfällen sprechen, sogar, wenn ich noch ein paar vergessen habe. Und wie hoch der Skandalisierungsbedarf in den einzelnen Fällen ist, halte ich auch noch für diskussionswürdig.
    Ich weiß, die Dunkelziffer… Aber die ist immer ein ziemlich schwammiges Argument, finde ich.

    • nothingelse89 Says:

      Ja, die DB gibts natürlich auch noch. Mir ging es aber nicht darum, dass Deutschland jetzt voller datensammelnder Unternehmen ist – auch wenn die überall bekannt werdenden Fälle natürlich den Eindruck entstehen lassen. Aber in jedem dieser Unternehmen hieß es zunächst, das wären nur Einzelfälle (innerhalb der Firma). Früher oder später hat sich bisher jedoch jedes Mal herausgestellt, dass diese Skandale ein weit größeres Ausmaß hatten als zunächst behauptet. Ich werde das wohl besser noch in meinem Post klar stellen, Thearcadier hat mich auch schon darauf hingewiesen.

      Was den Skandalisierungsbedarf angeht, muss ich dir aber widersprechen: Wenn ein Unternehmen intime Daten ihrer Mitarbeiter speichert und daraus „Handlungsempfehlungen“ ableitet, ist das für mich nicht zu akzeptierende Überwachung.
      Man kann nicht gleichzeitig gegen staatliche Überwachung und den gläsernen Bürger sprechen und bei solchen Fällen dann beide Augen zudrücken und sagen, ach, so schlimm ist das doch nicht – selbst wenn es sich „nur um einen Einzelfall“, also um ein, zwei oder fünf Unternehmen handelt.

      • Muriel Says:

        Ich denke, so auf der Basis können wir uns einigen. Vielleicht neige ich einfach manchmal dazu, das Thema nicht ernst genug zu nehmen, weil mir persönlich meine Daten nicht so besonders am Herzen liegen.

  3. Roberto Blinki Says:

    Eine bissken Spa-ssmusse sein:
    „wurden genauste Beschreibungen“
    Das gefällt!


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