Robin Hood mal anders

Nicht, dass ich die FDP vorher für besonders wählbar gehalten habe, aber das überschreitet bei mir nun doch die Kopf-über-Kloschüssel-Grenze erheblich: Martin Lindner, der FDP-Spitzenkandidat in Berlin, hat endlich mit der Sprache herausgerückt, womit er die versprochenen Steuersenkungen gegenfinanzieren will - durch Senkung des Hartz-IV-Satzes um bis zu 30 %, was einem verbleibenden Satzes von 250 € entspräche.

250 Euro?? Zweihundertfünfzig Euro?? WTF? Ich bin eine relativ genügsame Studentin, die darüber hinaus alle zwei Wochen ein nettes Fresspaket von ihrem Vater mitbekommt. Trotzdem sind 250 € das, was ich im Monat mindestens für Lebensmittel und Getränke ausgebe.

Der liebe Herr Lindner hält sich wohl für einen etwas pervertierten Robin Hood – er nimmt es den Armen und gibt es den Reichen. Aber das ist schon okay so, Arbeitslose hängen ja bloß den ganzen Tag faul vor der Glotze rum, lassen ihre Wampe über den Bund ihrer erschnorrten Jeans hängen und kichern über den blöden Arbeiter, der ihnen ihr Auskommen sichert. Solchen “Menschen” ein halbwegs lebenswertes Leben zu sichern, ist einfach nicht gerecht – diese Erkenntnis trifft nun auch mich wie ein Hammerschlag. Aber für solche Erleuchtungen haben wir ja die FDP.

Ich plädiere jedoch für ein anderes Modell: Nachdem der gute Martin ab September wohl leider im Bundestag sitzen wird, kürzen wir seine Diäten auf 250 Euro pro Monat. Und nachdem wir ja nicht ungerecht sein wollen, kann er sich die Kosten für seine Abgeordnetentätigkeit natürlich erstatten lassen – nach einem Vorabhausbesuch eines netten Kollegen von der Arbeitsagentur, der genau überprüft, ob diese Ausgaben auch wirklich notwendig sind. Und die Mitfahrzentrale freut sich sicher über einen neuen Kunden. Nach ein paar Monaten befragen wir ihn dann noch einmal, ob er ein Leben in Armut wirklich für so gerecht hält.

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3 Antworten to “Robin Hood mal anders”

  1. rowdie Says:

    wer nimmt so einen dummschwätzer wie den lindner noch für voll, wer es tut, ist auch nicht besser als er, es ist wahl und gerade jetzt müssen sich die typischen eckensteher, die sonst nichts zu sagen haben, zu wort melden, um in ihren wahlkreisen auf stimmenfang zu gehen, da wird wieder mal in die kiste, schlag die sozial schwachen, gegriffen und das alles nur um sich zu profilieren, aber bei der fdp ist das ja schon methode, da hilft nur eines, bei der wahl einen fetten denkzettel verpassen, nur notorische schlafmützen bekommt man auch damit nicht wach.

    • nothingelse89 Says:

      Ich halte es für sehr gefährlich, Leute wie Lindner nicht für voll zu nehmen. Es gibt genug Leute, die tatsächlich der Meinung sind, Hartz-IV-Empfänger leben ein Leben in Saus und Braus und man müsste ihnen zugunsten der arbeitenden Bevölkerung die Unterstützung zusammenstreichen. Dieser Mann steht auf Platz 1 der FDP-Landesliste für Berlin, er wird also mit großer Wahrscheinlichkeit ab September im Bundestag sitzen. Mehr noch, die FDP könnte zusammen mit der CDU/CSU an der Macht sein. Und unter solchen Umständen sollte man solche Äußerungen lieber ernst nehmen, anstatt später ganz verdattert zu sagen “Ach, ich dachte, das wäre bloß Wahlkampfgetöse…”

  2. aga80 Says:

    Ich habe in Fellmonsterchens Blog schon meinen Zynischen Senf mit meinem Ärger angegeben und habe auf eine einfache Koppie keinen Bog.

    http://fellmonster.wordpress.com/2009/09/06/frohliches-durcheinanderquasseln/#comment-8442


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