Bäh für die Welt

Mit den heutigen Politikern ist es schon seltsam – da kann man sie eigentlich nicht mehr sehen, geschweige denn ihr Gelaber hören, und dann setzen sie noch eins drauf.

Natürlich ist klar, dass ich hier vor allem von unser aller Freund Sarrazin rede. Gut, er ist nicht aller Freund – die Hartz-IV-Empfänger hatten schon ihren Spaß mit ihm und auch die Juden sind nicht sonderlich begeistert von seiner Juden-haben-andere-Gene-These.

Seine neuen besten Freunde sind die Moslems. Die unterwandern Deutschland nämlich durch ihre Geburtenrate und macht Deutschland weniger deutsch. Ist das nicht furchtbar? Buh, der böse Muselmann steht vor der Tür und bringt Erbkrankheiten mit, weil er ständig seine Schwester heiratet! Und er klaut euch eure deutschen Werte! Und dümmer werdet ihr auch noch, weil der böse Muselmann nämlich ganz viele dumme Kinder in die Welt setzt und dadurch der Durchschnitts-IQ sinkt! Blabla, Panik, bla! Deutschland stirbt aus!!

Und deshalb dürfen wir nicht mehr so viele dumme Ausländer reinlassen, sondern nur noch die Klugen, weil nur die gut für Deutschland sind. Sozialdarwinismus läuft zur Zeit eben richtig gut.

Bei mir ist die Ekelgrenze eigentlich schon hier erreicht – aber leider sieht sich heutzutage scheinbar jeder Politiker als Fachmann, was sein selbst erwähltes Lieblingsthema angeht. Als nächstes steht uns das Brechwerk von Roland Koch ins Haus, eines jener Bücher, von denen ich schon wusste, dass sie mir Übelkeit verursachen würden, bevor ich überhaupt wusste, dass es existiert. Aber das gilt schließlich auch für Roland Koch.

Und noch ein kleines Schmankerl, das ich selbst bis vor etwa 20 Minuten nicht wusste: Anscheinend hat Sarrazins Verlag einige seiner „spezielleren“ Aussagen in den späteren Auflagen ein bisschen glattgebügelt. „Angeborenen Schwachsinn“ will die Deutsche Verlags-Anstalt den Immigranten dann wohl doch nicht unterstellen.

Zuletzt noch eines: Nein, ich habe das Buch nicht gelesen und werde es auch nicht. Mir reichen die Textauszüge und Buchbesprechungen, die mir in den letzten Tagen unter die Augen gekommen sind. Zudem genügen die Äußerungen Sarrazins in der Vergangenheit, um zu wissen, wessen Geistes Kind er ist.

Grippy

Sehr geehrte Damen und Herren, ich freue mich sehr, Ihnen wie schon vorher angekündigt Grippy präsentieren zu können. Grippy ist das hippe Lifestylemagazin für junge Grippekranke und solche, die es werden wollen – in dieser Ausgabe mit nützlichen Tipps für die eigene Grippeparty, einen Ausblick auf künftige Grippen und allem über die Ziegengrippe! Und das Beste ist: Die erste Ausgabe von Grippy ist völlig umsonst!!

Schweinegrippe – The Next Generation

Hey du! Du gehörst zu den coolen Kids, die jeden Trend mitmachen? Du willst immer hip und angesagt sein? Du bist der Trendsetter in deiner Clique?

Nun, wie jeder weiß, ist die Schweinegrippe inzwischen totaaaal out – alle deine Freunde haben sie bereits und sogar deine Eltern hat das Fieber gepackt. Okay, es ist schon cool, gegen die Regierung und ihren Schweinegrippebekämpfungsfeldzug zu rebellieren, aber selbst die haben inzwischen gemerkt, dass die Schweinegrippe Schnee von gestern ist.

Doch es gibt eine Lösung – hol dir die Ziegengrippe! Bisher ist sie vor allem in den Niederlanden zu erwerben, doch schon bald wird der Trend auch Deutschland erreichen. Also warte nicht auf den Ausbruch des Mainstreamhypes, sondern besorg dir noch heute deine persönliche Ziegengrippe und lass dich von all deinen Freunden um diese exquisite Krankheit beneiden.

Doch das ist noch nicht alles: Mit dem in Kürze neu erscheinenden Magazin „Grippy“ des Verlages DWWISS bleibst du immer auf dem neuesten Stand, was die aktuellen Mutationen angeht. Die ersten zehn Abonnenten bekommen einen stylischen Mundschutz im angesagten Ziegenlook als Geschenk – lass dir das nicht entgehen!

Bombenstimmung auf dem Oktoberfest – oder: Wie einmal überhaupt gar nichts geschah

Es fing ja schon nicht sonderlich gut an: Auf einmal durften keine nackten Brüste und Betrunkenen mehr fotografiert werden (Oh nein! Welch Verlust für die deutsche Kulturlandschaft!) und schon vor dem Beginn des Oktoberfestes schwebte die Grippe des Todes (auch Schweinegrippe genannt) wie ein Damoklesschwert über den potentiellen Besuchern: Wächst mir bei Busseln eine Schweinenase? Wenn im Zelt jemand hustet, werden wir dann alle sterben? Doch das sollte nach nur kurzer Zeit die geringste Sorge der Wiesn-Besucher sein – die Rede ist natürlich vom Auftritt des bösen Islamisten™ ! Doch von Anfang an…

Am 19. September hieß es zum 176. Mal: O’zapft is. Die Münchner Polizei ist laut eigener Aussage gut gerüstet für die Wiesn. Doch da hat ja noch niemand mit dem bösen Islamisten™ gerechnet. Und der stand schon in den Startlöchern: Ein plötzlich aufgetauchtes Terrorvideo versetzt die Polizei in höchste Panik Unruhe, die USA warnt sogar vor Reisen nach Deutschland. Konkrete Anschlagsziele seien jedoch nicht bekannt – puh, da bin ich ja beruhigt.

Die Angst vor dem bösen Islamisten™ zeigt schon bald Wirkung: Ein tieffliegendes Werbeflugzeug von Red Bull wird plötzlich zum potentiellen Bombenwerfer. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – von nun an herrscht Flugverbot über der Wiesn.
Nachdem die Gefahr des fliegenden Bombenwerfer gebannt war, bestand natürlich noch eine weitere Gefahr: Bomben auf Rädern! Also entschied man sich, besser den Verkehr „umzuleiten“ – sprich: einfach alles abzusperren und darauf zu hoffen, dass man den gewaltigen Stau rund um die Theresienwiese als Bombenabwehrgürtel nützen könnte.
Für besonders gute Stimmung sorgten von nun an auch die Einlasskontrollen am Haupteingang.

Für zwei Münchner hielt die Oktoberfestzeit noch eine besondere Überraschung bereit: Sie wurden einfach mal so festgenommen präventiv in Gewahrsam genommen, da sie potentielle böse Islamisten™ waren. Aber das ist mit Sicherheit nicht so schlimm, wie es sich anhört: Das körperliche Wohlbefinden in einer Zelle dürfte um einiges höher sein als beim Zünden eines Bombengürtels – man kann also davon ausgehen, dass die beiden Männer zu ihrem eigenen Vorteil verhaftet wurden.

In meinem persönlichen Umfeld kursieren inzwischen auch schon die ersten Erfahrungsberichte: Freunde haben von ihren Bekannten, die jemanden kennen, der jemanden bei der Polizei kennt, gehört, dass die da alle ganz fest von einem Anschlag des bösen Islamisten™ ausgehen. Bedrohlich! Noch hält sich meine Angst in Grenzen, doch so langsam wird auch mir mulmig. Wenn alle sagen, dass jemand gesagt hat, dass was passiert, dann muss da doch irgendwas dran sein!

Schließlich ruft auch meine Mutter an und fleht mich geradezu an, nicht auf die Wiesn zu gehen – auch sie hat gehört, dass jemand gehört hat… Ich fühle mich plötzlich ganz furchtbar bedroht: Was ist, wenn ich aufs Oktoberfest gehe und da steht plötzlich der böse Islamist™ vor mir? Ich bin kurz davor, ihr zu schwören, mich in den nächsten zehn Jahren niemals und unter gar keinen Umständen auch nur auf 50 km der Theresienwiese zu nähern, auch wenn ich dafür meine Wohnung aufgeben müsste und wahrscheinlich auch sämtliche meiner Freunde – doch dann fällt mir ein, dass ich am nächsten Tag auf der Wiesn verabredet bin. Ich verspreche ihr zumindest, nicht am Wochenende hinzugehen.

Inzwischen erzählt mir eine Freundin, der Hauptbahnhof sei teilweise abgesperrt worden und sie hätte einer Leibesvisitation gerade noch entkommen können. Natürlich, nachdem dem bösen Islamisten™ sowohl der Luftweg als auch die Straßen versperrt wurden, muss er nun mit dem Zug anreisen – so ein Terroristenleben ist eben nicht immer leicht, auch wenn man am Ende ein paar Jungfrauen bekommt.

Die Terrorgerüchteküche schwappte langsam über: Eine Frau soll den Geldbeutel eines Arabers gefunden haben und dann von ihm gewarnt worden sein, mehrere Bomben seien bereits auf der Wiesn gefunden worden sein, aber die Polizei hätte alles vertuscht und natürlich machten auch mehrere Kettenmails die Runde. Die Polizei sperrte währenddessen eine U-Bahn-Station, nachdem ein Tunesier dort sein Gepäck vergessen hatte.

Schließlich kam er, der Tag der Deutschen Einheit – der Tag X, an dem die bösen Islamisten™ mit Sicherheit allein schon aufgrund der Symbolträchtigkeit ihre Bomben hochgehen lassen würden. Ich begab mich vorsichtshalber nach Augsburg, um auch ja nicht erwischt zu werden. Die gesperrte Zone rund um das Oktoberfest wurde inzwischen schon fast auf die gesamte Innenstadt ausgedehnt, schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten auf dem gesamten Gelände, hinter jedem Zelt und jedem Fahrgeschäft konnte er lauern, der Terrorist, und dann…

… passierte einfach gar nichts. Vor einigen Stunden ging die Wiesn schließlich zu Ende, völlig bomben- und terroristenfrei. Die einzigen Geschädigten waren die Bierleichen und die Wirte, deren Gäste verständlicherweise irgendwann keine Lust mehr hatten. Aber das lag natürlich an den Sicherheitsmaßnahmen – das sagt auch der Schäuble immer und der muss es ja wissen.

Gemeinsam enthaltsam gegen die Schweinegrippe!

Auch ich bekomme die Auswirkungen der Schweinegrippe langsam zu spüren: Meine Visits erreichen regelrechte Höhepunkte, da sich inzwischen täglich mindestens ein Dutzend Suchbegriffe rund um die Schweinegrippe einfinden.

Aber das ist doch kein Wunder, weil die Schweinegrippe ja so unglaublich gefährlich ist. Und inzwischen gibt es auch wieder eine neue Theorie, wie man sich vor der Todesgrippe schützen kann… und zwar… *tatatamm*… durch Vermeidung von Masturbation und homosexuellem Verkehr (via)!

höschen

Die ultimative Lösung!

Die malaysische Regierung sagt nämlich, dass der Körper dadurch übersäuert und ein leichtes Ziel für die Schweinegrippe wird. Normaler (ehelicher) Verkehr ist dagegen völlig ungefährlich – ach nee, wer hätte es gedacht. Die Homosexuellen sind ja sowieso immer schuld und Selbstbefriedigung macht blind.

Aber nicht, dass ihr mich jetzt missversteht – die malaysische Regierung hat natürlich vollkommen Recht. Schließlich ist das eine Regierung, die haben doch immer Recht. Und alleine die Vorstellung, dass diese ganzen fehlgeleiteten Menschen dafür verantwortlich sind, dass wir alle sterben werden! Zuerst verderben sie unsere Gesellschaft und leisten der Unzucht Vorschub und jetzt das! Nein, das geht nun wirklich nicht. Da sollte sich unsere Regierung ganz dringend ein Beispiel an Malaysia nehmen und die Bevölkerung warnen!

Aber ich traue der Entwarnung bezüglich heterosexuellem Sex nicht so ganz. Daher sollten wir Sex grundsätzlich verbieten. Oder ächten, das ist ja noch viel wirksamer. Dann erledigt sich das Problem mit der Schweinegrippe innerhalb von ein paar Jahrzehnten ganz von selbst und wir müssen noch nicht einmal Geld für teueren Impfstoff ausgeben.

Wir werden alle störben. Mal wieder.

Ach, so lange hatten wir nichts mehr von der schweinischen Bedrohung gehört. Dann habe ich vor ein paar Wochen in den Nachrichten gehört, dass laut irgendwelcher Experten bis zum Sommer die Hälfte aller Deutschen mit der Schweinegrippe infiziert sein werden. Öhm… ja, jetzt ist Sommer, und noch immer fallen die Menschen nicht röchelnd in der U-Bahn um.

todesschweinAber wenigstens wissen wir jetzt, wozu unsere Steuergelder gut sind: Die Bundesländer haben (noch nicht entwickelten) Impfstoff für etwa 25 Millionen Bürger bestellt. Die furchtbare Grippewelle des Todes wurde anscheinend verschoben und kommt nun im Herbst und Winter auf uns zu. Die Pharmaunternehmen freuen sich, weil sie den großen Reibach machen, die Bürger freuen sich, weil sie sich jetzt sicher fühlen, und die Parteien freut sich, weil man mit Wetuntergangsstimmung („aber wir tun was dagegen!“) gut ein paar Stimmchen dazu gewinnen kann.

Ob wir nun alle sterben werden (bestimmt!) oder nicht: Warum zum Teufel wird das Zeug auf Staatskosten eingekauft? Wenn ich mich gegen Masern/Röteln/Grippe/Dieter Bohlen impfen lasse, dann muss ich das entweder selbst zahlen oder meine Krankenkasse übernimmt das bei einer entsprechenden Empfehlung. Wobei es gegen Dieter Bohlen leider noch keine Impfung gibt.
Vielleicht habe ich da aber auch etwas falsch verstanden – ich bin für jede Erklärung dankbar.

Ich habe in dem Zusammenhang auch mal wieder das Gerücht von der Zwangsimpfung gehört. Wenn die Schweinegrippe in Deutschland wirklich gefährlich wird, werde ich auch über eine Impfung nachdenken. Aber wer versucht, mich zwangszuimpfen, braucht eine Impfung gegen Spritzen im Hintern.

Und nicht vergessen:

WIR WERDEN ALLE STÖÖÖÖÖRBEN!!1!

… oder so.

Lesebefehl

Hach ja, ich bin ja grad in Gönnerlaune… ;)

Deshalb gibts von mir jetzt einen Lesetippbefehl: Little Brother

Little Brother von Cory Doctorow ist sozusagen die kleine, modernere Variante von Orwells 1984. Ihr könnt das Buch kaufen oder hier völlig gratis und legal in den verschiedensten Formaten runterladen. Die deutsche Version gibt es anscheinend nur in einer Fan-Übersetzung, die aber ziemlich gut ist.

Lest es. Ich bitte euch darum. Besonders, wenn ihr meint, nichts zu verbergen zu haben. Und lest auch die Nachworte :)

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