Gemeinsam enthaltsam gegen die Schweinegrippe!

Auch ich bekomme die Auswirkungen der Schweinegrippe langsam zu spüren: Meine Visits erreichen regelrechte Höhepunkte, da sich inzwischen täglich mindestens ein Dutzend Suchbegriffe rund um die Schweinegrippe einfinden.

Aber das ist doch kein Wunder, weil die Schweinegrippe ja so unglaublich gefährlich ist. Und inzwischen gibt es auch wieder eine neue Theorie, wie man sich vor der Todesgrippe schützen kann… und zwar… *tatatamm*… durch Vermeidung von Masturbation und homosexuellem Verkehr (via)!

höschen

Die ultimative Lösung!

Die malaysische Regierung sagt nämlich, dass der Körper dadurch übersäuert und ein leichtes Ziel für die Schweinegrippe wird. Normaler (ehelicher) Verkehr ist dagegen völlig ungefährlich – ach nee, wer hätte es gedacht. Die Homosexuellen sind ja sowieso immer schuld und Selbstbefriedigung macht blind.

Aber nicht, dass ihr mich jetzt missversteht – die malaysische Regierung hat natürlich vollkommen Recht. Schließlich ist das eine Regierung, die haben doch immer Recht. Und alleine die Vorstellung, dass diese ganzen fehlgeleiteten Menschen dafür verantwortlich sind, dass wir alle sterben werden! Zuerst verderben sie unsere Gesellschaft und leisten der Unzucht Vorschub und jetzt das! Nein, das geht nun wirklich nicht. Da sollte sich unsere Regierung ganz dringend ein Beispiel an Malaysia nehmen und die Bevölkerung warnen!

Aber ich traue der Entwarnung bezüglich heterosexuellem Sex nicht so ganz. Daher sollten wir Sex grundsätzlich verbieten. Oder ächten, das ist ja noch viel wirksamer. Dann erledigt sich das Problem mit der Schweinegrippe innerhalb von ein paar Jahrzehnten ganz von selbst und wir müssen noch nicht einmal Geld für teueren Impfstoff ausgeben.

Google und die Verläge

Eigentlich wollte ich mich bis morgen von meinem Blog fern halten, da ich morgen Zwischenprüfung schreibe.

Aber es gibt eben doch etwas, was ich eben kurz loswerden muss. Es geht um die armen notleidenden Verläge, die schamlos von Google ausgebeutet werden. Jaa, das pöhse Google verlinkt nämlich auf Online-Zeitschriftenartikel, ohne dafür auch nur einen Cent zu zahlen!
Und auch die gemeinen Internetnutzer – wie ich – zitieren teilweise aus Onlineartikeln. Sie bereichern sich an der Arbeit anderer! Verbrennt sie! Oder nein, noch besser… verlangt Geld von ihnen! Lasst sie bluten!

Nun, ich könnte jetzt natürlich Statistiken heraussuchen, wie viele deutsche Internetnutzer Google als Suchmaschine benutzen. Dazu hab ich aber keine Lust – jedem dürfte klar sein, dass Google der Platzhirsch unter den Suchmaschinen ist. Und jedes Mal, wenn der Durchschnittsdeutsche irgendein Suchwort eingibt, findet er relativ schnell Onlineartikel der leidenden Verlage. Je mehr (pöhse) Leute im Internet die Artikel verlinken, desto besser sind sie platziert. Und das heißt? Ja, genau: Besucher für die Website.
Und wenn ich einen Artikel zitiere, setze ich einen Link. Interessierte Leser werden diesem Link folgen. Wow, noch mehr Traffic für die Onlineauftritte! Wie… furchtbar!

Die dahinter stehende „Logik“ lautet, dass Google durch die dort geschaltete Werbung (GoogleAds) Geld verdient. Und das gehört zumindest teilweise den Verlagen, weil Google die Nutzer ja durch ihre Überschriften ködert – ist doch klar! Dass Google hierbei eine Dienstleistung erbringt, die für alle Beteiligten nur vorteilhaft ist – auch für die armen gebeutelten Verlage – ist hierbei völlig nebensächlich.

Und was lernen wir daraus? Manche Menschen verlangen tatsächlich noch Geld dafür, dass man mehr oder weniger Werbung für sie macht. Genannt wird das dann „Leistungsschutzrecht“. Und wenn ich bei Netzpolitik lese, dass die CDU das in der nächsten Legislaturperiode einführen will, dann will ich meinen Kopf einfach nur ganz fest gegen meine Wand hauen.

Sehr lesenswert ist übrigens auch der Offene Brief bei F!XMBR. Ich wünschte, ich könnte bei so viel Dummdreistigkeit noch so viel Humor aufbringen.

Keine Killerspiele = keine Amokläufe

Die meisten von euch haben inzwischen bestimmt mitbekommen, dass die letzten beiden Tage die Innenministerkonferenz in Bremen und Bremerhaven stattgefunden hat. Dort wurde dann ausgewürfelt, welchem Übeltäter diesmal die Verantwortung für alles Schlechte dieser Welt zugeschoben wird.

Das Los fiel diesmal nicht nur auf den allseits beliebten Terrorismus, sondern auf den Sonderjoker Killerspiele. Da Killerspiele voll böse sind und junge Menschen zu Amokläufern machen, sehen unsere geliebten Vaterlandsbeschützer nur eine Möglichkeit:

„Ein möglichst schnelles Herstellungs- und Verbreitungsverbot für Spiele, bei denen ein wesentlicher Bestandteil der Spielhandlung die virtuelle Ausübung von wirklichkeitsnah dargestellten Tötungshandlungen oder anderen grausamen oder sonst unmenschlichen Gewalttätigkeiten gegen Menschen oder menschenähnliche Wesen ist.“

Großartig.

Ich habe mich mal über das Durchschnittsalter von Amokläufern an Schulen schlau gemacht – es lag 2004 bei 15,6 Jahren (Robertz, unter anderem zitiert von Wikipedia und dem LKA NRW). Es wäre mir neu, wenn man mit knapp 16 Jahren schon „Killerspiele“ spielen dürfte. Schnaps darf man auch erst ab 18 trinken und niemand käme auf die Idee, Alkohol zu verbieten – noch nicht, auf dem Weg, mündigen Bürgern vorzuschreiben, wie sie leben sollen, werden wir mit Sicherheit auch an dieser Station noch halt machen.

Ich persönlich spiele keine Killerspiele. Bei Counterstrike virtuell Menschen zu erschießen gibt mir persönlich gar nichts. Ich bin auch dagegen, dass 13-jährige solche Spiele spielen – dafür haben wir ja die USK. Aber erwachsenen Menschen vorzuschreiben, welchen Hobbys sie nachgehen dürfen, ist die größte Frechheit, der mir jemals untergekommen ist. Andere Menschen schießen mit echten Waffen in Schützenvereinen und gehen auf die Jagd und erschießen nur zum Spaß Tiere, aber das Schießen auf Computerpixel soll gefährlich sein? „Killerspiele“, das klingt ja unglaublich böse, aber man schadet damit niemanden – und zum Thema Amokläufe verweise ich noch einmal auf diesen mutigen Leserbrief eines Beinahe-Amokläufers, den ich schon einmal verlinkt habe.

Aber mir ist schon klar, wir haben ja Wahljahr, da macht sich populistischer Mist einfach besser als die ernsthafte Suche nach Lösungen. Und die Gleichung „Keine Killerspiele = keine Amokläufe“ sieht schon sehr hübsch aus, da macht man es sich doch gerne leicht.

Und noch ein kleiner Nachtrag: Der Lawblog bringt es auf den Punkt!

Wozu DNS-Sperren? Sperrt gleich das ganze Netz!

Nach so ominösen Verbänden wie der Deutschen Kinderhilfe und Innocence in Danger (dem Guttenbergs Gattin vorsitzt) meldet sich jetzt ein ganz anderes Bündnis, das für die Sperren kämpft.

Dieses Bündnis fordert eine unabhängige Kontrollinstanz für die Sperrliste – was an sich nichts schlechtes ist, aber da lässt sich die Bundesregierung mit Sicherheit was einfallen. Wer sich jetzt aber denkt, hey, die sind ja auf unserer Seite, den muss ich leider enttäuschen: Dieses Bündnis hält DNS-Sperren für unzureichend. Sie wollen mehr.  Statt einfach nur Seiten zu sperren, sollen Zensursula und ihre Freunde doch bitte gleich in die Infrastruktur eingreifen, schließlich könnten böse Bürger die Sperren ja umgehen. Kurz gesagt: Die neuesten Freunde der KiPo-Sperren hätten gerne chinesische Verhältnisse.
Die ganze Zensiererei liegt nämlich durchaus im Interesse dieser Leute. Wer genau sich da zusammen getan hat, ist nicht ganz klar (zumindest mir nicht), aber das ganze wurde anscheinend vom Interessenverband des Video- und Medienfachhandels in Deutschland initiiert. Und die scheinen die Hoffnung zu haben, dass als nächstes Raubkopien und kostenlose Videoportale auf der Sperrliste landen – mehr dazu gibts bei Netzpolitik.org.

Daher hier mein Vorschlag: Lasst das mit den DNS-Sperren, ich brauche eine knappe Minute, um die zu umgehen. Sperrt stattdessen gleich das ganze Internet. Dort tummeln sich Pädophile, Terroristen, Nazis, Anarchisten, Hacker, Killerspieler und Menschen, die es wagen, ihre Meinung zu äußern und sich gegen die Regierung zu organisieren unartige Bürger. Mit einer Abschaffung des Internets könnte Schäuble früher Feierabend machen, die Urheberrechtsmafia würde eine Menge Geld für Lobbyisten sparen, viele der Netzdeppen im Bundestag würden sich nicht mehr so ausgegrenzt fühlen und die gute Ursel könnte endlich wieder ruhig schlafen. Das ganze Gelaber um das Internet als rechtsfreien oder unrechtsfreien Raum hätte endlich ein Ende und zur Informationsgewinnung müsste man endlich mal wieder eine Bibliothek aufsuchen oder (un)abhängige Tageszeitungen lesen. Ihr müsstet nicht einmal mehr das unqualifizierte Gesabbel in der Blogosphäre ertragen. Wäre das nicht schön?

Next stop: LARP-Verbot

Unglaublich. Jetzt müssen auch noch die LARPer dran glauben (via).

In Dortmund hat das Jugendamt ein LARP-Event abgesagt – und warum? Na, weil die da mit Schaumstoffschwertern aufeinander los gehen! Ist doch einleuchtend. Es kann doch nicht angehen, dass Jugendliche unter dem Motto „Weg vom Computer, raus in die Natur“ einander mit Schaumstoffwaffen verhauen und dabei auch noch Spaß haben!

Nun, das wäre doch auch ein guter Favorit für die nächste Verbotsarie. Das würde doch auch ganz gut zu dem geplanten Paintballverbot passen, man streicht einfach das Schuss- :

(1) Ordnungswidrig handelt wer,
1. Spiele veranstaltet, bei denen die Tötung oder Verletzung von Mitspielern unter Einsatz von Schusswaffen oder diesen nachgebildeten Gegenständen als Haupt- oder Nebeninhalt simuliert wird,
2. hierfür Grundstücke, Anlagen oder Einrichtungen bereitstellt oder
3. an solchen Spielen teilnimmt.

Argumentiert wurde übrigens mal wieder mit Winnenden. Die Dunkelziffer an Amokläufern, die von ihrem letzten LARP direkt in die nächste Schule gelaufen sind, muss ja enorm sein. Und die Gefährdung ist wirklich groß, Schwerter liegen schließlich überall rum, stecken in Steinen und so, da kann jeder Jugendliche einfach danach greifen und damit auf seine Mitschüler eindreschen.

Update: Ich wurde in den Kommentaren darauf hingewiesen, dass sich das Jugendamt und die betroffenen LARPer mehr oder weniger geeinigt haben. Und ich möchte auch hier noch einmal darauf hinweisen, dass es zwar verständlich ist, dass nach einem Amoklauf alle ein bisschen dünnhäutig sind. Das ändert aber nichts daran, dass diese Empfindlichkeit eben auch zu Verboten führt, wie im Falle des Paintball-Sports.

%d Bloggern gefällt das: