Bombenstimmung auf dem Oktoberfest – oder: Wie einmal überhaupt gar nichts geschah

Es fing ja schon nicht sonderlich gut an: Auf einmal durften keine nackten Brüste und Betrunkenen mehr fotografiert werden (Oh nein! Welch Verlust für die deutsche Kulturlandschaft!) und schon vor dem Beginn des Oktoberfestes schwebte die Grippe des Todes (auch Schweinegrippe genannt) wie ein Damoklesschwert über den potentiellen Besuchern: Wächst mir bei Busseln eine Schweinenase? Wenn im Zelt jemand hustet, werden wir dann alle sterben? Doch das sollte nach nur kurzer Zeit die geringste Sorge der Wiesn-Besucher sein – die Rede ist natürlich vom Auftritt des bösen Islamisten™ ! Doch von Anfang an…

Am 19. September hieß es zum 176. Mal: O’zapft is. Die Münchner Polizei ist laut eigener Aussage gut gerüstet für die Wiesn. Doch da hat ja noch niemand mit dem bösen Islamisten™ gerechnet. Und der stand schon in den Startlöchern: Ein plötzlich aufgetauchtes Terrorvideo versetzt die Polizei in höchste Panik Unruhe, die USA warnt sogar vor Reisen nach Deutschland. Konkrete Anschlagsziele seien jedoch nicht bekannt – puh, da bin ich ja beruhigt.

Die Angst vor dem bösen Islamisten™ zeigt schon bald Wirkung: Ein tieffliegendes Werbeflugzeug von Red Bull wird plötzlich zum potentiellen Bombenwerfer. Doch was nicht ist, kann ja noch werden – von nun an herrscht Flugverbot über der Wiesn.
Nachdem die Gefahr des fliegenden Bombenwerfer gebannt war, bestand natürlich noch eine weitere Gefahr: Bomben auf Rädern! Also entschied man sich, besser den Verkehr „umzuleiten“ – sprich: einfach alles abzusperren und darauf zu hoffen, dass man den gewaltigen Stau rund um die Theresienwiese als Bombenabwehrgürtel nützen könnte.
Für besonders gute Stimmung sorgten von nun an auch die Einlasskontrollen am Haupteingang.

Für zwei Münchner hielt die Oktoberfestzeit noch eine besondere Überraschung bereit: Sie wurden einfach mal so festgenommen präventiv in Gewahrsam genommen, da sie potentielle böse Islamisten™ waren. Aber das ist mit Sicherheit nicht so schlimm, wie es sich anhört: Das körperliche Wohlbefinden in einer Zelle dürfte um einiges höher sein als beim Zünden eines Bombengürtels – man kann also davon ausgehen, dass die beiden Männer zu ihrem eigenen Vorteil verhaftet wurden.

In meinem persönlichen Umfeld kursieren inzwischen auch schon die ersten Erfahrungsberichte: Freunde haben von ihren Bekannten, die jemanden kennen, der jemanden bei der Polizei kennt, gehört, dass die da alle ganz fest von einem Anschlag des bösen Islamisten™ ausgehen. Bedrohlich! Noch hält sich meine Angst in Grenzen, doch so langsam wird auch mir mulmig. Wenn alle sagen, dass jemand gesagt hat, dass was passiert, dann muss da doch irgendwas dran sein!

Schließlich ruft auch meine Mutter an und fleht mich geradezu an, nicht auf die Wiesn zu gehen – auch sie hat gehört, dass jemand gehört hat… Ich fühle mich plötzlich ganz furchtbar bedroht: Was ist, wenn ich aufs Oktoberfest gehe und da steht plötzlich der böse Islamist™ vor mir? Ich bin kurz davor, ihr zu schwören, mich in den nächsten zehn Jahren niemals und unter gar keinen Umständen auch nur auf 50 km der Theresienwiese zu nähern, auch wenn ich dafür meine Wohnung aufgeben müsste und wahrscheinlich auch sämtliche meiner Freunde – doch dann fällt mir ein, dass ich am nächsten Tag auf der Wiesn verabredet bin. Ich verspreche ihr zumindest, nicht am Wochenende hinzugehen.

Inzwischen erzählt mir eine Freundin, der Hauptbahnhof sei teilweise abgesperrt worden und sie hätte einer Leibesvisitation gerade noch entkommen können. Natürlich, nachdem dem bösen Islamisten™ sowohl der Luftweg als auch die Straßen versperrt wurden, muss er nun mit dem Zug anreisen – so ein Terroristenleben ist eben nicht immer leicht, auch wenn man am Ende ein paar Jungfrauen bekommt.

Die Terrorgerüchteküche schwappte langsam über: Eine Frau soll den Geldbeutel eines Arabers gefunden haben und dann von ihm gewarnt worden sein, mehrere Bomben seien bereits auf der Wiesn gefunden worden sein, aber die Polizei hätte alles vertuscht und natürlich machten auch mehrere Kettenmails die Runde. Die Polizei sperrte währenddessen eine U-Bahn-Station, nachdem ein Tunesier dort sein Gepäck vergessen hatte.

Schließlich kam er, der Tag der Deutschen Einheit – der Tag X, an dem die bösen Islamisten™ mit Sicherheit allein schon aufgrund der Symbolträchtigkeit ihre Bomben hochgehen lassen würden. Ich begab mich vorsichtshalber nach Augsburg, um auch ja nicht erwischt zu werden. Die gesperrte Zone rund um das Oktoberfest wurde inzwischen schon fast auf die gesamte Innenstadt ausgedehnt, schwer bewaffnete Polizisten patrouillierten auf dem gesamten Gelände, hinter jedem Zelt und jedem Fahrgeschäft konnte er lauern, der Terrorist, und dann…

… passierte einfach gar nichts. Vor einigen Stunden ging die Wiesn schließlich zu Ende, völlig bomben- und terroristenfrei. Die einzigen Geschädigten waren die Bierleichen und die Wirte, deren Gäste verständlicherweise irgendwann keine Lust mehr hatten. Aber das lag natürlich an den Sicherheitsmaßnahmen – das sagt auch der Schäuble immer und der muss es ja wissen.

Unkontrolliert

Neulich hatte unser Bundesüberwachungsminister Schäuble einen feuchten Traum: Er sah unkontrollierte Geheimdiensten, die vollkommen in Geheimen agieren konnten und dem Bundestag keinerlei Rechenschaft schuldeten. Er sah nur ein Gremium, vielleicht sogar nur eine einzelne Person, die in die Aktivitäten von BND und MAD eingeweiht waren. Er hatte ja nichts gegen Demokratie, aber man muss nun mal auch wissen, wann sie fehl am Platz ist. Kurz darauf änderte sich die Szenerie: Schwarzgekleidete BND-Agenten schwärmten in eine geräumige Erdhöhle mit Whirlpool und zerrten Osama Bin Laden heraus und konnten mit ihm machen, was sie wollten. Er sah sich schon in einem dunklen Kellerraum, Bin Laden auf einem flachen Tisch, keinerlei parlamentarische Kontrolle weit und breit und… in diesem Moment erwachte er und nahm erst einmal eine kalte Dusche.

Ja, Wolfi, wir alle haben unsere Phantasien. Aber musst du unbedingt versuchen, die ekelhaftesten von ihnen in die Tat umzusetzen?

Rette deine Freiheit

Der neueste Geniestreich der Macher von „Du bist Terrorist“:

„Du bist Terrorist“ hat mir zwar besser gefallen, aber auch dieses Video ist wirklich gut. Und für die ganz Doofen wird auf der Website sogar die Ironie erklärt, ihr könnt den Link also sogar an unser Urselchen schicken.

Ich wollte übrigens eigentlich noch etwas zu dem TV-Schläfchen von Angie und Steini schreiben – eine bessere Steilvorlage kann man mir ja kaum bieten -, aber ich bin bisher noch nicht dazu gekommen, mir das Video noch mal anzusehen. Wahrscheinlich schreibe ich heute abend oder morgen noch etwas dazu.

Leyenhafte Textbausteine

Falls ihr mal ein bisschen Zeit habt, könnt ihr euch ja mal die Abgeordnetenwatch-Seite von unserer lieben Uschi angucken. Besonders schön finde ich diese Antwort, die sehr gut zeigt, dass nur die Reizwörter „Kinderpornografie“ und „Internetsperren“ fallen müssen – und schon plappert Ursel automatisiert los, ohne überhaupt die Frage zu lesen. Wer beabsichtigt, eine dahingehende Frage zu stellen – vergesst es. Die werden nämlich nicht beantwortet, es gibt nur Propaganda-Blabla. Aber das ist ja nichts Neues :)

Robin Hood mal anders

Nicht, dass ich die FDP vorher für besonders wählbar gehalten habe, aber das überschreitet bei mir nun doch die Kopf-über-Kloschüssel-Grenze erheblich: Martin Lindner, der FDP-Spitzenkandidat in Berlin, hat endlich mit der Sprache herausgerückt, womit er die versprochenen Steuersenkungen gegenfinanzieren will - durch Senkung des Hartz-IV-Satzes um bis zu 30 %, was einem verbleibenden Satzes von 250 € entspräche.

250 Euro?? Zweihundertfünfzig Euro?? WTF? Ich bin eine relativ genügsame Studentin, die darüber hinaus alle zwei Wochen ein nettes Fresspaket von ihrem Vater mitbekommt. Trotzdem sind 250 € das, was ich im Monat mindestens für Lebensmittel und Getränke ausgebe.

Der liebe Herr Lindner hält sich wohl für einen etwas pervertierten Robin Hood – er nimmt es den Armen und gibt es den Reichen. Aber das ist schon okay so, Arbeitslose hängen ja bloß den ganzen Tag faul vor der Glotze rum, lassen ihre Wampe über den Bund ihrer erschnorrten Jeans hängen und kichern über den blöden Arbeiter, der ihnen ihr Auskommen sichert. Solchen „Menschen“ ein halbwegs lebenswertes Leben zu sichern, ist einfach nicht gerecht – diese Erkenntnis trifft nun auch mich wie ein Hammerschlag. Aber für solche Erleuchtungen haben wir ja die FDP.

Ich plädiere jedoch für ein anderes Modell: Nachdem der gute Martin ab September wohl leider im Bundestag sitzen wird, kürzen wir seine Diäten auf 250 Euro pro Monat. Und nachdem wir ja nicht ungerecht sein wollen, kann er sich die Kosten für seine Abgeordnetentätigkeit natürlich erstatten lassen – nach einem Vorabhausbesuch eines netten Kollegen von der Arbeitsagentur, der genau überprüft, ob diese Ausgaben auch wirklich notwendig sind. Und die Mitfahrzentrale freut sich sicher über einen neuen Kunden. Nach ein paar Monaten befragen wir ihn dann noch einmal, ob er ein Leben in Armut wirklich für so gerecht hält.

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Einige von euch haben es vielleicht schon gesehen: Unter den Beiträgen habt ihr jetzt die Möglichkeit, sie zu bewerten. Max wollte seine Lieblingsbeiträge in die Highlights reinvoten, jetzt hat er auch die Möglichkeit dazu ;)

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Echt Super, der Wahltag!

Es ist schon erstaunlich festzustellen, dass es an Wahltagen nur Gewinner gibt. Heute wurde in Thüringen, Sachsen und Saarland gewählt – und ausnahmslos alle Parteien sind überglücklich:

Die CDU ist (trotz fieser Verluste) überall die stärkste Partei und redet von einem klaren Regierungsauftrag.  Schwarz-Gelb ist zwar nur in Sachsen möglich, ansonsten sieht es eher nach Rot-Rot-Grün aus, aber wen interessiert das schon? Immerhin ist laut Pofalla nur mit einer starken CDU eine stabile Regierung möglich!

Die SPD fantasiert bereits von einer klaren Absage an Schwarz-Gelb und sieht dadurch auch einen klaren Regierungsauftrag. Die hatten einfach einen ganz dollen Wahlkampf! Dass sie in zwei der Landtagswahlen inzwischen von der Linken überholt wurde und in Sachsen sogar von der FDP überholt wurde, wird da natürlich lieber verschwiegen – würde doch auch die Feierstimmung trüben…

Die Linkspartei ist sowieso der größte Gewinner von allen – schon alleine deswegen, weil jetzt ja endlich soziale Gerechtigkeit in die Länder Einzug hält! Und natürlich gibt es auch hier einen klaren Regierungsauftrag.

Die FDP redet mal wieder von historischen Ergebnissen. Zumindest das Blabla ist mal wieder historisch, wenn man bedenkt, dass Schwarz-Gelb wohl nur in Sachsen möglich ist. Aber trotzdem macht die FDP die beste Politik. Findet zumindest die FDP.

Die Grünen sind einfach mal aus Prinzip glücklich. Naja, zumindest haben sie gute Chancen, in wei der Landtage einzuziehen – trotz des eher mauen Wahlergebnisses.

Und ja, auch die NPD hat natürlich gewonnen – nach einer voll unfairen antideutschen und gemeinen medialen Hetzkampagne haben sie es geschafft, trotz empfindlicher Verluste doch wieder in den sächsischen Landtag einzuziehen. Arme NPD, alle sind so gemein zu ihr! Schickt Holger Apfel ein paar hübsche Bilder von Rudolf Hess in rosa Rüschenbilderrahmen, damit er wieder glücklich ist!

Hochrechnungen und Wahlergebnisse findet ihr übrigens hier.

Time to Say Goodbye…

Am Freitag werde ich mich in den Flieger setzen und nach Tunesien düsen – dort warten Sonne, Meer und viele ungelesene Bücher auf mich. Da ich bis dahin wohl nicht mehr zum Bloggen komme, verabschiede ich mich schon mal. Ihr dürft natürlich trotzdem weiterhin munter im Archiv stöbern und kommentieren. Bis zum 26. August!

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Darth Schäuble

Nachdem unsere geliebte CDU ihre Wahlplakate veröffentlicht hat, wurde am Montag von Netzpolitik der  Schäuble Remix-Wettbewerb ausgerufen – sein Plakat ist auch wirklich herzallerliebst.

Da hab ich mich nicht lumpen lassen und auch ein bisschen rumgespielt…

dunkleseite-klein

Um eventuelle Abmahnungen aufgrund des Rechtsstreits mache ich mir keine Sorgen – ich denke, das ist auf jeden Fall ein freies Werk gem. § 24 UrhG. Zur gesetzlichen Lage gibt es im Übrigen auch eine sehr gute Analyse im Law Blog.

Gemeinsam enthaltsam gegen die Schweinegrippe!

Auch ich bekomme die Auswirkungen der Schweinegrippe langsam zu spüren: Meine Visits erreichen regelrechte Höhepunkte, da sich inzwischen täglich mindestens ein Dutzend Suchbegriffe rund um die Schweinegrippe einfinden.

Aber das ist doch kein Wunder, weil die Schweinegrippe ja so unglaublich gefährlich ist. Und inzwischen gibt es auch wieder eine neue Theorie, wie man sich vor der Todesgrippe schützen kann… und zwar… *tatatamm*… durch Vermeidung von Masturbation und homosexuellem Verkehr (via)!

höschen

Die ultimative Lösung!

Die malaysische Regierung sagt nämlich, dass der Körper dadurch übersäuert und ein leichtes Ziel für die Schweinegrippe wird. Normaler (ehelicher) Verkehr ist dagegen völlig ungefährlich – ach nee, wer hätte es gedacht. Die Homosexuellen sind ja sowieso immer schuld und Selbstbefriedigung macht blind.

Aber nicht, dass ihr mich jetzt missversteht – die malaysische Regierung hat natürlich vollkommen Recht. Schließlich ist das eine Regierung, die haben doch immer Recht. Und alleine die Vorstellung, dass diese ganzen fehlgeleiteten Menschen dafür verantwortlich sind, dass wir alle sterben werden! Zuerst verderben sie unsere Gesellschaft und leisten der Unzucht Vorschub und jetzt das! Nein, das geht nun wirklich nicht. Da sollte sich unsere Regierung ganz dringend ein Beispiel an Malaysia nehmen und die Bevölkerung warnen!

Aber ich traue der Entwarnung bezüglich heterosexuellem Sex nicht so ganz. Daher sollten wir Sex grundsätzlich verbieten. Oder ächten, das ist ja noch viel wirksamer. Dann erledigt sich das Problem mit der Schweinegrippe innerhalb von ein paar Jahrzehnten ganz von selbst und wir müssen noch nicht einmal Geld für teueren Impfstoff ausgeben.